Von Frank Benedikt
Ja, ich gestehe – auch ich habe schon bei Amazon Bücher gekauft und dort sogar eine “Wunschliste”. Daß dieser Moloch den Einzelhandel, sprich: die klassischen Buchläden austzrocknet, war mir auch stets klar und ich fühlte mich unwohl dabei. Dem Buchhandel um die Ecke geht es seit langen Jahren zunehmend schlecht und der Druck durch das Internet und den amerikanischen Grossisten verbessert die Situation natürlich nicht.
Gestern schrieb Spiegel Online etwas darüber, daß Amazon sich auch unentgeltlich Arbeitsloser bedienen würde, um sein Geschäft zu betreiben. Das ist ja nicht wirklich neu, denn seit der “Generation Praktikum” wissen viele von uns, wo der Hase lang läuft. Allerdings bekommt es durch die schiere Größe des Internet-Buchhändlers eine völlig neue Dimension und ich finde es nicht mehr “zu vernachlässigen”. Derlei muß(!) thematisiert werden und wenn Amazon dies nicht nach der Berichterstattung abstellt, werden wir dranbleiben – Blogger, Journalisten und Partei -, um dieses zu ändern.
Natürlich ist es auch “ein weiterer Fehler im System”, denn Gesetz und ARGE geben das augenscheinlich her, aber den Nutzen zieht eben die Firma daraus. Somit rufe ich alle Freunde und Kollegen dazu auf, bis auf Weiteres nicht mehr bei Amazonzu kaufen oder gar für sie zu werben. Oh Gott – ein Boykott
Die Rechtsabteilung des Konzerns mag jetzt gerne eine Klage in Erwägung ziehen, aber es sei ihr Eines gesagt: Einem nackten Mann kann man nicht in die Taschen greifen, einen Kritiker, dessen Brüder Anwälte sind, zu verklagen, ist auch nicht sehr intelligent, und “schlechte Presse” kann Amazon sicher nicht noch mehr brauchen.
Hier und jetzt werden “wir” ein Exempel statuieren – wenn der Internetbuchhändler (der im Übrigen auch sehr üppige Anteile für seine Mittlerdienste nimmt), zur Vernunft kommt und diese Praxis ändert, werden wir neu bewerten. Bis dahin aber ist Amazon “off limits”!
[fb]
PS von kb:
Gestern las ich irgendwo irgend etwas von einer Gesetzeslücke, die amazon diese Art von ausnutzender vorteilsnehmender Beschäftigung erlaubt.
Eine Lücke? Ja, mei!
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Wenn ich eine Lücke in einer der vorderen Zahnreihen habe, muss ich deshalb auf andere Leute spucken?
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Die Formulierung “amazon nutze eine Lücke” offenbart unfreiwillig vor allem eins: dass es immer weniger Unternehmen gibt, die Moral und Anstand internalisiert haben.
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Kant sprach von der Internalisierung der Moral als Bedingung für ein mündiges Subjekt, das es gelernt hat, Wahres und Falsches eigenständig zu unterscheiden. Der mündige Mensch tut aus Verantwortlichkeit von sich aus das Richtige, er tut es auch dann, wenn kein Gesetz es ihm vorschreibt.
Der Gauner hingegen nutzt eine Lücke aus, sobald er sie entdeckt. Zum Beispiel in einem Kaufhaus, im Überwachungssystem eines Kaufhauses, und er nutzt sie sogleich aus, um etwas mitgehen zu lassen. Wer also Lücken ausnutzt, um sich zum Nachteil anderer zu bereichern, ist ein Gauner, ein Unmündiger dazu, in unserem Falle: amazon.