Baums Notizen aus der Unterwelt.

Der kritische Blog von Klaus Baum – jetzt mobile-friendly

Ich habe heute einen Artikel von mir herausgenommen … — 23. Februar 2012

Ich habe heute einen Artikel von mir herausgenommen …

…. aus der öffentlich zugänglichen chronologischen Textabfolge meines Blogs. Es ging um eine Formulierung von Marlehn Thieme. Sie wird im folgenden Kontext zitiert:

>>Statistik: Millionäre zahlen überdurchschnittlich viel Kirchensteuer

Deutschlands Millionäre tragen überdurchschnittlich zur Finanzierung des kirchlichen Lebens bei. Nach einer Erhebung des Statistischen Bundesamtes, die der “Zeit”-Beilage “Christ & Welt” vorliegt, zahlen die rund 7.600 Einkommensmillionäre unter den evangelischen und katholischen Gläubigen 8,5 Prozent der Gesamtlast der Kirchensteuer, obwohl ihr Anteil an den Kirchensteuerpflichtigen lediglich 0,06 Prozent beträgt. Die rund drei Millionen Geringverdiener mit einem Einkommen von bis zu 20.000 Euro tragen 2,5 Prozent zum Kirchensteueraufkommen bei.

Auch die Masse der Durchschnittsverdiener bleibt hinter der Finanzkraft der Wohlhabenden zurück. Die rund 3,7 Millionen Gläubigen mit Vergütungen zwischen 25.000 und 40.000 Euro pro Jahr tragen zusammen genommen lediglich 15 Prozent zum Kirchensteueraufkommen bei. Die rund 86.000 reichen Protestanten und Katholiken, die pro Jahr 250.000 Euro oder mehr verdienen, decken dagegen 20 Prozent des Kirchensteueraufkommens ab. In der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) wächst deshalb die Kritik am bisherigen Umgang mit den wohlhabenden Mitgliedern. “Die Kirche hat oftmals nur mit dem Finger auf Verantwortungsträger gezeigt”, erklärt EKD-Ratsmitglied Marlehn Thieme, die Direktorin der Deutschen Bank ist. Die Kirche müsse einsehen, dass es “Funktionseliten in dieser Gesellschaft” gibt. Es gelte, das Evangelium ihren Bedürfnissen entsprechend zu verkündigen. Die Erhebung des Statistischen Bundesamtes basiert auf Zahlen aus dem Jahr 2007, da keine jüngeren offiziellen Daten vorliegen. Die Aufstellung umfasst alle Kirchensteuereinnahmen in Deutschland mit Ausnahme von Bayern, da dort eigene Kirchensteuerämter die Veranlagung der Mitglieder durchführe.<<

Was jetzt dieses Thieme-Zitat im Kontext von Kirchensteuerzahlungen zu suchen hat, erschließt sich mir nicht.

Ich möchte, bevor ich noch einmal auf das Zitat zurückkomme, einen anderen Gedanken von Frau Thieme zitieren:

„Die Diskussion um eine nachhaltige Entwicklung muss jetzt die soziale Dimension stärken – für die Menschen der nächsten Generationen.”

http://www.nachhaltigkeitsrat.de/der-rat/mitglieder-des-rates/marlehn-thieme/lebenslauf-textversion

Wer zuhause am Schreibtisch, am PC sitzt, und sich die weite Welt über das Web erschließt, hat zunächst nur die Äußerungen öffentlich wirksamer Personen zur Verfügung, um sich ein Urteil zu bilden.

Frau Thieme ist Direktorin bei der Deutschen Bank und sie ist ehrenamtlich im Rat der EKD tätig, das heißt, sie wird derzeit wahrgenommen im Kontext von Bankern und Pfaffen. Letzteren Ausdruck verwendet flatter mit Hinblick auf die Nominierung des Pfarrers Gauck zum Bundespräsidenten.

Kleiner Exkurs:

In WAITING FOR GODOT, im 2. Akt, erscheint Pozzo, der Herr, mit seinem Knecht Lucky noch einmal auf der Bühne. Pozzo ist mittlerweile erblindet. Er stürzt, kommt aus eigener Kraft nicht mehr auf die Beine und ruft um Hilfe:

Vladimir: Let us not waste our time in idle discourse! Let us do something, while we have the chance! It is not every day that we are needed. Not indeed that we are personally needed. Others would meet the case equaliy well, if not better.

To all mankind they were addressed, those cries for help still ringing in our ears! But at this place, at this moment of time, all mankind is us, whether we like it or not. Let us make the most of it, before it is too late. Let us represent worthily for once the fool brood which a cruel fate consigned us.

Was ich aus dieser Stelle bei Beckett herauslese, ist folgendes: Niemand auf Erden steht, handelt, denkt nur für sich selbst, er repräsentiert ganz allgemein die Gattung und er repräsentiert insonderheit seine Gruppenzugehörigkeit.

Exkursende

Wenn ich in England Ladendiebstahl begehe, begehe ich ihn nicht nur als Klaus Baum, sondern als Deutscher, und so wird es heißen: Die Deutschen kommen auf die Insel, um hier ihre kriminellen Energien auszuleben.

Wenn Geistliche, Pastoren, Pfarrer sich an Kindern vergreifen, wird es nicht heißen, Pfarrer Rost Braun hat sich an einem Knaben vergangen, sondern es heißt, und ich gebe hier ein allgemein derzeit virulentes Bild wieder: die katholische Kirche ist wegen des Zölibats eine Brutstätte sexuellen Mißbrauchs.

Herr Ackermann repräsentiert nicht nur sich selbst, er repräsentiert nicht nur die Deutsche Bank, sondern die Rolle der weltweit agierenden Banken im Zeitalter des Neoliberalismus.

Und wenn die Mißbraucher und Skrupellosen nur ein paar Prozent ausmachen in der Institution Kirche, in der Institution Bank könnte das reichen, um eben die gesamte Institution in Verruf zu bringen.

Was wiederum heißt, dass der schlechte Ruf, den einzelne beziehungsweise maßgeblich einzelne ihrer Branche zufügen, auch auf jene abfärbt, die als Priester, als Pfarrer, als Banker liebenswerte Menschen geblieben sind.

Ich will es nicht als Entschuldigung gebrauchen, aber muss daran erinnern, dass verstärkt durch ungeheuere Medienmacht Wirtschaftsführer und Politiker wegen prozentual geringer Einzelfälle die gesamten Hartz-IV-Empfänger als Schmarotzer denunziert haben.

Die Nicht-Entschuldbarkeit beziehe ich darauf, dass man, was man an den Westerwelles, Clements, Hundts, Henkels usw. kritisiert, nämlich ihre propagandistischen Generalisierungen, dass man dies nicht selber wieder reproduzieren darf. Brecht hat deutlich gemacht, dass man, selbst wenn man das nicht reproduzieren möchte, was man bekämpft, dass man vom “Bösen” dennoch affiziert wird. Adorno hat es in dem Satz, es gäbe kein richtiges Leben im falschen, zugespitzt.

>>Auch der Hass gegen die Niedrigkeit
Verzerrt die Züge.
Auch der Zorn über das Unrecht
Macht die Stimme heiser. Ach, wir
Die wir den Boden bereiten wollten für Freundlichkeit
Konnten selber nicht freundlich sein.<<

Um auf den im Kontext von “ZUVIEL KIRCHENSTEUER VON DEN REICHEN” zitierten Satz von Frau Thieme zurückgekommen, das Evangelium sollte den Bedürfnissen der Funktionselite gemäß verkündet werden:

Zunächst noch ein Zitat aus Brechts AN DIE NACHGEBORENEN:

Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!
Das arglose Wort ist töricht. Eine glatte Stirn
Deutet auf Unempfindlichkeit hin. Der Lachende
Hat die furchtbare Nachricht
Nur noch nicht empfangen.

Das arglose Wort ist töricht. Ist das, was Frau Thieme gesagt hat, arglos? Sollte jemand nicht wissen, in welchem gesellschaftlich vergifteten Klima wir leben? Wenn fast täglich zu hören ist, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander klafft, wie wirkt dann solch ein Gedanke, dass Evangelium den Bedürfnissen der Funktionseliten gemäß zu verkünden?

Ich habe Verwandte und Freunde, sehr nette Menschen, intelligent, aufgeschlossen, open minded, die bei der Allianz und bei der Deutschen Bank arbeiten, und ich komme nicht auf die Idee, sie mit Ackermann als Symbol der skrupellosen Banker gleichzusetzen.

Aber man sollte in höherer Stellung vielleicht, eventuell auch wissen, dass unsere Gesellschaft explosiv aufgeladen ist. Georg Schramm hat das vor einiger Zeit schon gespürt und formuliert, und zwar in der DLF-Sendung ZWISCHENTÖNE.

Da kann solch ein Satz einer Direktorin DER Deutschen Bank als Funke fungieren, zumal Frau Thieme sowohl die Kirche (ev.) als auch das Bankwesen repräsentiert.

Nun noch eine abschließende Bemerkung zu dem Satz von Frau Thieme selbst:

Er ist bar jeglicher inhaltlicher Differenzierung, das heißt, er hat geradezu etwas kantianisches. Er gibt lediglich eine Relation an: Evangelium —- Bedürfnisse der Funktionseliten.

Weder werden die Funktionseliten näher bestimmt. Wer ist das, wieso sind das Eliten?

Noch irgendwelche Inhalte des Evangeliums.

So what?

Die Prediger und die Kirche sollen nicht mit dem Finger auf die Verantwortungsträger zeigen, aber ihnen ihren Bedürfnissen gemäß das Evangelium verkünden. Nehme ich noch das andere Zitat hinzu, in dem Frau Thieme unterm Aspekt der Nachhaltigkeit von der Stärkung der sozialen Dimension spricht, so kann das doch nur heißen, wenn sich bei den Verantwortungsträgern das Profitdenken verselbständigt, dass die Verkündigung des Evangeliums deutlich macht, dass eher ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, als dass ein Reicher in den Himmel kommt.

Zu den Reichen schrieb einLeser des INDEPENDENT im letzten Jahr anläßlich des Todes von Paul Getty (mit dem Gisela Getty verheiratet war):

>>seems like he was choosen to represent the darkness that lies underneath the obtaining of great wealth at the cost of many ordinary people’s lives – these extremely wealthy people are very dark at heart and their motives are not linked to making the world a better place – that is fundamentally the problem of the world. They rule the world and they shape the world for their own greed.<<

PS.: Wer Frau Thieme persönlich kennt, wird sicher einen anderen Eindruck von ihr haben, als es zwei Zitate vermögen. Ich hoffe aber, verständlich gemacht zu haben, dass man als Repräsentant(in) sich sehr genau überlegen muss, was man sagt.

Seit dem Buch von Hans Jonas “Prinzip Verantwortung” kann mit Recht nur der sich als Verantwortungs”träger” bezeichnen, der dem Prinzip der Nachhaltigkeit verpflichtet ist, denn das zentrale Postulat von Jonas besteht darin, dass wir uns Nahvorstellungen verschaffen müssten von den Folgen unseres Handelns. Das heißt, um ein Beispiel zu nehmen: Jemand, der zur Zigarette greift, muss in dem Moment eine röchelnde und keuchende Lunge, die voller Teer ist, vor Augen haben und die Zigarette liegen lassen.

Im übrigen finde ich sehr schade, dass die Kultur kontroverser Diskussionen in Deutschland nicht sonderlich entwickelt ist. Um mich zu entspannen, nehme ich jetzt ein Schaumbad und lese darin Gedichte von Enzensberger:

>>Schaum vor dem Mund des Jahrhunderts! Schaum in den Kassenschränken! Jaulender Schaum in den Gebärmüttern und den Luxusbunkern! Schaum in den rosa Bidets!<<

Und noch ein Spät-Abends-PS.: Der Begriff der Funktionselite ist übrigens ein Oxymoron, er ist ein Widerspruch in sich selbst. Denn jemand, der perfekt und in herausragender Weise funktioniert, kann keine Elite sein. Gottfried Keller hat in seiner Erzählung Das verlorene Lachen davon gesprochen, dass die Zeit nicht mehr fern sei, in der alle um alles wüßten. Keller formuliert damit ein wissendes Subjekt, das in der Kritischen Theorie später als gesellschaftliches Gesamtsubjekt bezeichnet wird. Es handelt sich um ein Subjekt, das ein Wissen der Zeit hat, in der es lebt, ein Wissen der Widersprüche der Gegenwart im Horizont ihrer möglichen Versöhnung. Diejenigen aber, die heute im Sinne einer kapitalistischen oder gar kasino-kapitalistischen Profitmaximierung funktionieren, können keine Elite sein, denn Elite beinhaltet die Vorstellung vom HERAUSRAGEN, das heißt, auch die Fähigkeit, auf sich selbst zu blicken und sich zu fragen, was mache ich hier eigentlich. Wer aber nur funktioniert, dem geht in der Regel die Fähigkeit zur kritischen Selbstreflexion ab. Wo die aber fehlt, kann von Elite keine Rede sein.

Um noch einmal Kant zu erwähnen, der meinte, der Mensch dürfe nicht nur Mittel zu einem Zweck sein, sondern er ist in erster Linie ein Zweck in sich selbst. Und letzteres verneint die Reduktion des Menschen aufs bloße Funktionieren. Boris Becker hat ein paar Jährchen ab 1985 perfekt auf Rasenplätzen funktioniert, er war ein herausragender Tennisspieler, aber infolge seiner sonstigen Nicht-Fähigkeiten käme ich nie auf die Idee, ihn einer Elite zuzurechnen, abgesehen davon, dass ich den Begriff nicht mag.

Hartmut Finkeldey zitiert den Tagesspiegel zu Gauck —

Hartmut Finkeldey zitiert den Tagesspiegel zu Gauck

Affäre Gauck: Die ersten Bürgerrechtler wachen auf

Gauck habe sich in München bei einer Preisverleihung mit den Geschwistern Scholl vergleichen lassen „und wurde noch nicht einmal schamrot. Er hat niemals zur DDR-Opposition gehört, deren Akteure man im heutigen Sprachgebrauch Bürgerrechtler nennt. Er verließ erst Ende 1989 die schützenden Mauern der Kirche und kam über das Neue Forum in die Volkskammer“, so Tschiche. Gauck reise „ohne Skrupel“ auf dem Ticket Bürgerrechtler durch die politische Landschaft. „Er ist kein Vater der protestantischen Revolution, sondern er gehört zu denen, die sie beendet haben.“

“So ist es. Und das alles ist eigentlich seit Jahrzehnten bekannt.”, kommentiert Hartmut Finkeldey.

Möglicherweise kennen einige, mehrere, viele meiner Leser Situationen, in denen einem von anderen Verdienste zugeschrieben werden, von denen man selbst sehr genau weiß, daß man vielleicht nur ein Günstling des Zufalls war.

Größe, Aufrichtigkeit und Integrität bestünde nun darin, das dem eigenen Narzißmus wohltuende Lob nicht anzunehmen, sondern darauf hinzuweisen, dass man nicht selbst, sondern dass diese und jene Umstände es waren, die einem plötzlich im Lichte einer großherzigen Tat da stehen lassen.

Was Herrn Gauck betrifft, so habe ich den Eindruck, seine Befürworter errichten eine Dornröschenhecke, ein Gestrüpp aus Sprache, hinter der die wirkliche Person Gaucks verschwindet, so dass es fast unmöglich wird, in diesen Menschen hineinzusehen, um authentisch zu erfahren, ob er sich den Vergleich mit den Geschwistern Scholl als Honig für seine Seele gefallen läßt.

Ich zitiere im folgenden einen Leserbrief, gefunden auf Heise online. Ein Freund von mir hat mich heute heftig kritisiert, weil ich eine Äußerung von Marlehn Thieme meinerseits heftig kritisiert habe (polemisch und unsachlich). Hier nun ein Beitrag von Gauck von jemand, der in der DDR dabei war.

Solche Erfahrungsberichte sind mir am liebsten, das heißt, ich schreibe eigentlich ungern über Dinge, bei denen ich nicht dabei war und die ich nicht persönlich erlebt habe. Aber wenn ich nur über das schriebe, was ich unmittelbar erlebt habe, müsste ich einen autobiografischen Roman a là Anton Reiser verfassen und keinen Blog betreiben.

Mein Fresse … (Editiert vom Verfasser am 22.02.12 um 01:40)

MaxSim (mehr als 1000 Beiträge seit 25.12.03)

… den ‘Investigativen’ faellt aber wenig bis nix ein, wenn sie den
ausserordentlich zweifelhaften PMD aus der Versenkung zerren. Einen
ehemaligen DDR-Rechtsanwalt wuerd ich nicht mal glauben, wenn er mir
die Uhrzeit sagt.

Um es klar zu sagen: Ich halte Gauck fuer eine Katastrope in dem Amt
– sehe aber nicht, das er eine Stasivergangenheit haette.

Was er aber auch nicht hat, dass ist die ihm anhaengende Aura eines
Freiheitskaempfers. Ich persoenlich habe Gauck als eher einen von den
Lauen empfunden, der auf wenig Krach zwischen Kirche und
Opposition aus war und vor allem mit Worten (statt Taten) glaenzte.

Aus ganz anderem Holz war zu der Zeit sein Kollege Heiko Lietz (OV
“Zersetzer”). Lietz war dafuer bekannt kaum Kompromisse zu machen.
Bei WP steht, das Lietz das Amt des Pfarrers in Guestrow ‘aus theol.
Zwiespalt’ aufgeben musste. Die Wahrheit ist, dass er sich weigerte,
FDJ-ler zu taufen. Das ging der konsensbemuehten Kirche entschieden
zu weit und sie feuerte ihn. Gauck war zu der Zeit Stadtjugendpfarrer
– muss also in die Entscheidung eingebunden gewesen sein.

Ich weiss nicht, ob er dafuer oder dagegen gestimmt hatte, Lietz zu
Kugeln, aber ich kann mich noch sehr gut an seinen Warnungen an uns
Jugendliche aus den Rostocker JGs waehrend der Friedensdekade
erinnern, die sinngemaess lautete ‘Fahrt nicht zu Lietz !’ Denn
mittlerweile veraenderten sich die Zentren des Widerstandes weg von
der Kirche hin zu freien Gruppen. Lietz wurden dann von der Kirche
auch verboten sich in deren Raeumen mit anderen Gruppen zu treffen.

Auch die sehr starke Oppositionsbewegung aus der JG
Rostock-Lichtenhagen(Dorf) ging diesen Weg. Ein bekannter Protagonist
war Henry Leide. Leide war spaeter bei der Gauck-Behoerde angestellt
und steht bis heute der DDR-Kirche sehr kritisch gegenueber. Auch er
bzw. seine Frau sollten wissen, wenn was mit Gauck nicht in Ordnung
waer. Dies liesse sich weder aus Leides noch Lietz Akten (und auch
meinen nicht) rausfiltern.

Gauck steht nicht fuer den Widerstand gegen das DDR-Gov. Nach meiner
Erinnererung war er um Ausgleich bemueht und staenkerte mit den
Oberen nur, den die Folgen kalkulierbar und klein blieben. Als sehr
unangenehm hab ich seine Rolle bezgl. der ‘Schwerter zu Pflugscharen’
Aktion in Erinnerung. Die Aktion kulminierte bekanntlich in diversen
willkuerlichen Verhaftungen durch die TraPo und in die Religierung
von Schuelern von den Schulen. So z.B. die Religierung von Thomas A.,
Daniela V. und Albrecht S. von der 2.EOS in Evershagen. In Folge
dessen hat Gauck direkt Einfluss darauf genommen, dass die Schueler
die Aufnaeher wieder abnahmen und die ganze Aktion zu einem Ende kam.

Ich hab das damals “als in den Ruecken fallen” empfunden und
beschleunigte sicher die Trennung der Opposition und der Kirche.
Gauck
konnte sich persoenlich im Schoss der Kirche sicher fuehlen und
setzte alles daran, dass die ihn nicht vor die Tuer setzte. Lietz und
Leide nahmen dieses Riskio wissend in Kauf und stellten sich der
Staatsmacht direkt in den Weg. Geradezu zwangslaeufig wurden sie von
Kirche (und Gauck) allein gelassen und konnten zusehen, wie sie
klarkamen. (Gauck wurde in der Oppositionsgruppe, die aus der JG
LichtenhagenDorf formierte gemeinhin als “der Oeler” bezeichnet.)

Wenn ein Journalist also wissen will, was damals wirklich lief, dann
sollte er zu Lietz, Leide und die ehem. Pastorin von LichtenhagenDorf
Elisabet Bormann gehen – statt sich auf irgendwelche Kommentatoren
aus der 2. und 3. Reihe zu verlassen … oder gar Biographen zu
befragen.

siehe auch:
http://www.deinegeschichte.de/mediathek/unsere-beitraege/detailansich
t-unsere-beitraege/b/843/1989/heiko-lietz-ein-politisches-leben-teil-
i/?user_myhistory_pi4%5BpidBack%5D=691
(unbedingt alle vier Teile ansehen !)

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