“Wesentlich deutsch ist…..ein antikritisches Schema, das aus der Philosophie …ins Gewäsch herabsank: Die Anrufung des Positiven. Stets findet man dem Wort Kritik, wenn es denn durchaus toleriert werden soll, ….das Wort konstruktiv beigesellt, das ein “Lebkuchenwort” darstellt. Dem entgegenzusetzen wäre….., dass das Falsche, einmal bestimmt erkannt und präzisiert, bereits Index des Besseren ist.”

Adorno in “Kritik, Kleine Schriften zur Gesellschaft”1969

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Vor einiger Zeit kam ich mit einem jungen Künstler in einem Intercity-Abteil ins Gespräch. Er meinte, angesichts der Globalisierung hätte die Politik keine Einflußmöglichkeiten mehr auf die Wirtschaft und auf die globalen Finanzströme. Ich erwiderte ihm, wenn das stimme, was er sage, könnten die Politiker zumindest ihre Ohnmacht benennen, anstatt mit Propagandaphrasen das, was geschieht, auch noch zu rechtfertigen.

Jetzt habe ich in einem alten Buch folgenden Gedanken gefunden: “Wenn der Caracter des gegebenen Problems Unauflöslichkeit ist, so lösen wir dasselbe, wenn wir seine Unauflöslichkeit darstellen.” (Novalis, Allgemeines Brouillon)

Novalis setzt voraus, daß der Wille besteht, ein unlösbares Problem trotz seiner Unlösbarkeit auch lösen zu wollen. Das ist aber im Falle der herrschenden Politik, der Schröders, Clements, Merkels, Bushs, Blairs usw. gerade eben nicht so. Sie wollen das Problem nicht lösen, sie ziehen sich hinter das Argument der Unlösbarkeit zurück, benutzen die vermeintliche Ohnmacht als Ausrede, um das Problem zu verschärfen (Clement hat eben erst wieder betont, die Agenda 2010 sei erst der Anfang gewesen). Diese Politik ist Teil des Problems, das gar nicht gelöst werden will. Deshalb stellen sie auch nicht die Unauflöslichkeit dar, mit dem Ziel, sie dadurch aufzulösen, sondern sie verschleiern, lügen, verdrehen die Fakten, um nichts ändern zu müssen.