von Rainer Kahni aus France

Der gestern nach der Amtseinführung von Präsident Hollande ernannte neue französische Premierminister Jean-Marc Ayrault hat heute seine Amtsgeschäfte im Hôtel Matignon aufgenommen und seinen Vorgänger François Fillon verabschiedet. Mit diesem studierten Germanisten, Bürgermeister von Nantes und Fraktionschef der Sozialisten in der Nationalversammlung wird auch ein neuer Stil in die Regierung kommen. Der überaus selbstbewusste Deutschlandkenner und langjährige Freund von Hollande wird ganz sicher nicht der Kofferträger des Präsidenten werden. Er ernennt heute am späten Nachmittag die Minister und Staatssekretäre seiner Regierung. Erste Kritik wird an der von Fehlstarten begleiteten ersten Reise des Präsidenten nach Berlin laut: Wie kommt ein vom Volk direkt gewählter französischer Präsident dazu, seine Gäste stehen zu lassen und Hals über Kopf zum „Antrittsbesuch“ zur deutschen Bundeskanzlerin zu reisen, zumal sie ihn keines Blickes gewürdigt und sich auch noch gegen ihn im Wahlkampf ausgesprochen hat?

Hollande ist Staatsoberhaupt, Merkel nicht! Hollande ist direkt vom Volk gewählt, Merkel nicht! Hollande ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte und zieht seine Truppen aus Afghanistan ab, Merkel ist und tut beides nicht! Hollande erhöht den gesetzlichen Mindestlohn, Merkel lehnt ihn strikt ab! Hollande ist für ein solidarisches Europa, das spart, aber gleichzeitig Investitionsprogramme für die notleidenden Länder auflegt, wie Keynes dies lehrt, Merkel nicht!

Hollande ist ausgebildeter Wirtschafts – und Finanzwissenschaftler, Merkel nicht! Es muss mächtig gerappelt haben hinter den Kulissen in Berlin, denn Hollande gibt keine Bussis und ist auch nicht der Pudel von Frau Merkel!

Bei den Pressekonferenzen von Merkel sind wir alle genauso gespannt, wie Frau Merkel selbst, wenn sie ihre Worthülsen formuliert, was sie nun eigentlich sagen will!

Frau Merkel, Sie sind nicht die Kaiserin von Europa, diese Worte rufen wir Franzosen Ihnen über den Rhein hinüber! Sie haben sich nicht in die inneren Angelegenheiten eines anderen Landes einzumischen! Und wenn unser Präsident das nächste Mal nach Berlin kommen sollte, dann wird er gefälligst vom deutschen Staatsoberhaupt empfangen, wie sich das protokollarisch gehört! Denn nicht einmal in Deutschland sind Sie Staatsoberhaupt!