Ich hatte mal eine Freundin, die weinte angesichts trauriger Schicksale vor dem Fernseher. Ansonsten war sie sehr selbstbezogen.

Diese Erfahrung der Diskrepanz zwischen Mitleiden und Egozentrizität mündete später in einen Aufsatz von mir ein. Es ging dort hauptsächlich um den Widerspruch zwischen Werk und Charakter eines Künstlers:

>>Wir benötigen die Kunst gegen die Realität. In ihr scheint auf, was für uns möglich wäre. Kunst bestätigt die Berechtigung unserer Sehnsucht nach Wahrhaftigkeit und führt uns vor Augen, wie wenig wir selber unser Bedürfnis nach dem richtigen Leben erfüllen. Es gibt Menschen, die weinen vollkommen erschüttert angesichts des Leidens, das ihnen ein Kunstwerk vor Augen führt, rühren aber nicht den kleinsten Finger für einen leidenden Menschen, der ganz in ihrer Nähe lebt.<<

Jetzt sehe ich diesen Comic, diese Karikatur, und finde, das passt:

mitleid-im-tv