„Legt das Bild in meinen Sarg, wenn ich gestorben bin.“

(Saito, Ehrenpräsident des japanischen Papierkonzerns Dai Showa)

Vincent van Gogh, Das Porträt des Dr. Gachet

Portrait_of_Dr._GachetWer ihn noch nicht gelesen haben sollte, hier geht es zu meinem Aufsatz über Vincent van Gogh, den ich im Jahre 2000 konzipiert und Anfang 2001 niedergeschrieben habe:

https://klausbaum.wordpress.com/vincent-van-gogh/vincent-van-gogh/

Damals war das Porträt des Dr. Gachet noch das am höchsten bezahlte Kunstwerk, heute ist es in den Charts des Irrsinns ein wenig nach hinten gerutscht.

Der Aufsatz über Vincent van Gogh ist mir von all meinen Rundfunkaufsätzen der liebste, weil persönlichste. Im Laufe der Jahre, im Laufe des Verfassens von Aufsätzen hat der Rückgriff auf die von mir studierte Philosophie immer mehr nachgelassen. Der Geisteswissenschaftler wird leicht von einer déformation professionnelle befallen, denn er getraut sich nicht, selber etwas zu formulieren, ohne auf die großen Denker zurückzugreifen. Der Weg zur Eigenständigkeit ist mit vielen Tabus seitens des Wissenschaftsbetriebes gepflastert. Am stärksten tabuisiert ist das Einbringen eigener Erfahrungen.

Noch eine Bemerkung zu dem Saito-Zitat: Wer sich ein Gemälde im Wert von 8,2* Millionen Dollar leisten kann, wird wohl mit Fug und Recht als reich bezeichnet werden können. Ich will nun nicht ins Pauschalieren verfallen, sondern es in Bezug auf Mr. Saito formulieren: Er gehörte wohl zu jenem Typus unter den Reichen, die selbst im Tod und über diesen hinaus nur an sich denken und ihren Besitz festhalten, anstatt daran zu denken, dass Bilder wie das Porträt des Dr. Gachet der Öffentlichkeit zugänglich bleiben sollten, wiewohl man Mr. Saito zugute halten muss, dass er nicht seine Millionen mit ins Grab nehmen wollte, sondern nur die Melancholie.

*Richtig muss es heißen: 82,5 Millionen. Ich führe meinen Fehler darauf zurück, dass ich mir solche Summen nicht vorstellen kann, das heißt: 8,2 Millionen sind für mich schon extrem hoch, wiewohl es ja weniger ist als der Jahresverdienst von Joseph Ackermann in seinen besten Jahren bei der Deutschen Bank.

Was mag aus ihm geworden sein und wovon lebt er jetzt, wo er doch nicht mehr bei der DB i9st?