Ein Text von Ana Frederick

Langsam, sehr langsam, drehen sich auch in Deutschland die Räder bezüglich einer potenziellen Legalisierung von medizinischem Marihuana. Nun wurde vom Landesgericht Köln in einigen Sonderfällen schwerkranken Schmerzpatienten erlaubt, Cannabis privat anzubauen. Die Endprodukte – Hasch, CBD Produkte oder THC-haltige Substanzen – sollen schonend gegen die Leiden helfen. Das ist das erste Mal, dass solch eine Entscheidung in Deutschland getroffen wird, und ein erster Schritt in Richtung Liberalisierung.

Trotz einer sehr strengen Drogenpolitik sind die USA der Bundesrepublik weit voraus. In bereits mehr als der Hälfte aller amerikanischen Staaten ist der Konsum, teilweise auch der Anbau und der Verkauf, von medizinischem Marihuana gestattet. In zwei weiteren Staaten – Colorado und Washington – ist Marihuana mittlerweile komplett legalisiert worden. Auch zu Freizeitzwecken darf die Pflanze konsumiert werden.

Für die Wirtschaft hat das positive Konsequenzen. Durch den Umsatz, der nicht mehr im Untergrund schwarz generiert wird, kann sich der Staat an den fetten Steuereinnahmen bedienen und hat damit auch ein großes Interesse daran, die Schattenwirtschaft in geordnete Bahnen zu lenken. Das geht aber nur durch eine (Teil-)Legalisierung, in Deutschland muss man spätestens jetzt auch über eine Entkriminalisierung nachdenken.

Bisher war es durchaus erlaubt, synthetisches Cannabis auf Rezept zu erhalten. Nur war der Wirkstoff so ziemlich teuer und zudem nicht ganz so stark wie in der organischen Pflanze. Weil aber auch der Import der Pflanze aus den Niederlanden vielen Patienten finanziell zu schaffen machte, musste das Gericht nun darüber entscheiden, ob es – auch ohne krasse Sicherheitsvorschriften – legal ist, wenn Patienten für wenig Geld und mit wenig Mühen ihre eigenen Pflanzen anbauen.

Mit diesem ersten Schritt bekommt die Pro-Cannabis Bewegung neuen Aufschwung, und rein rational sprechen viele Vorteile für eine Legalisierung. Abgesehen von den medizinischen Patienten würde auch die Wirtschaft und dadurch der Staat eine ordentliche Portion des Gewinns abbekommen. Zudem könnte man viel besser regulieren, wer an Cannabis kommt (Minderjährige hätten es mindestens genauso schwer wie bei der Beschaffung von Alkoholika oder Zigaretten) und wo es produziert und vertrieben wird.