Heute morgen, um kurz nach 10 Uhr hat mich die Sendung Klassik-Pop-et cetera ans Bett gefesselt, will sagen, im Liegen kann ich mich besser aufs Zuhören konzentrieren. Rolf Sachs, der Sohn von Gunter, war der Moderator. Er erwähnte unter anderem, dass der Song Je t’aime moi non plus von Serge Gainsbourg & Jane Birkin Ende der 60er Jahre als skandalös empfunden wurde. Das brachte mich dann am Nachmittag auf den Gedanken, dass es offenbar zwei Arten von Menschen gibt: diejenigen, die sich freuen, denen es eine Hilfe ist, in der Kunst etwas zu finden, in dem sie sich wiedererkennen können. Dieses dezente Stöhnen und jene verhauchte Lust des Geschlechtsaktes, ohne die es nicht geht. Die einen stärkt das Wiedererkennen, sie sagen sich, wir sind nicht allein; die anderen verdrängen sich selbst, verdrängen die Möglichkeit der Selbstwahrnehmung, indem sie das bannen, das ihnen von außen sich zeigt.  Sie hassen den Spiegel.

PS.: Ich muss hier noch ein PS. anfügen. Dass man den Spiegel hasst, ist wohl undifferenziert ausgedrückt. Anderen – bezogen auf den Song – beim Stöhnen zuzuhören, ist manchen auch peinlich, erweckt Scham, ist einem unangenehm. Wenn man aber aus  peinlicher Berührtheit einen Skandal entfacht, kann man wohl von Verklemmtheit sprechen, die nicht selten in aggressive Verneinung umschlägt oder aus der diese hervorgeht. Ich frage mich im übrigen auch, was wir verdrängen, an uns und von uns, wenn wir uns immer nur über die „idiots“ von der Politik erregen?