Ein Beitrag von ALTAUTONOMER

Jörg Wellbrock promotet beim „Spiegelfechter“ das Buch der Kriegsbefürworterin Antje Vollmer. Diese positive Hervorhebung einer Ex-Politikerin der Grünen mit der Spekulation auf eine kurze Halbwertzeit des linkskollektiven Gedächtnisses bedarf einer Korrektur.

1. Zit. Vollmer: „Der Krieg ist vieleicht nicht der Vater aller Dinge, aber gelegentlich wird er doch erfahren als Stifter einer ungekannten Einigkeit, eines Gemeinschaftsgefühls…“!
Aus „Heißer Frieden – Über Gewalt, Macht und Zivilisation“ dtv 1996

2. Ein Lehrer der Odenwaldschule hatte schon im November 2002 Antje Vollmer, die damalige Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags, über Missbrauchsfälle informiert. Wörtlich schrieb er an die führende Abgeordnete der Grünen über Gerold Becker: „Der ehemalige Schulleiter dieser Schule hat während seiner Amtszeit Kinder sexuell missbraucht.“ Der Lehrer, Salman Ansari, hatte gehofft, mit Hilfe von Antje Vollmer, die er eine „integre und einflussreiche Person“ nannte, die „Verharmloser und Wegseher zu überzeugen“. Doch die hochrangige Volksvertreterin erwies sich selber als Wegseherin. Sie ließ den Lehrer von einer Mitarbeiterin abwimmeln.

Die schrieb, Frau Vollmer kenne Herrn Becker nicht, könne die Angelegenheit nicht beurteilen und halte eine Stellungnahme „aus der Ferne“ für „weder angebracht noch hilfreich“.

Antje Vollmer ist dem schweren Vorwurf aus dem Lehrerkollegium der Odenwaldschule nicht nur nicht nachgegangen, sondern mochte auch den Hinweis nicht ernst nehmen, dass drei Herausgeber einer pädagogischen Zeitschrift aus Protest gegen den Eintritt Beckers das Gremium verlassen hatten. Antje Vollmer hatte auch vergessen oder verdrängt, dass sie Gerold Becker wohl kannte. Im gleichen Jahr 2002 hatte sie mit ihm zusammen als Studiogast des Deutschlandfunks an einer sogenannten Langen Nacht zum Thema Vertrauen teilgenommen. In dieser Sendung war Beckers Tätigkeit als Leiter der Odenwaldschule ausdrücklich erwähnt worden.

Vollmer war Vorsitzende des Runden Tisches Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren, der im Frühjahr 2009 von der Bundesregierung auf Empfehlung des Bundestages eingerichtet wurde und bis 2010 die Geschehnisse in der Heimerziehung im westlichen Nachkriegsdeutschland aufarbeiten sollte.

3. „Schwarz-Grün ist kein Tabu mehr.“ stellte Antje Vollmer 1995 das Buch Heiner Geisslers vor.

4. „Die Rotation aller Mandats- und Parteiamts-Inhaber, die Trennung von Amt und Mandat, das imperative Mandat, der ständige Wechsel der Delegierten, die Einflußnahme locker organisierter Parteigruppierungen und Arbeitsgemeinschaften auf die Führungs- und Programmarbeit der Partei, die Begrenzung der Diäten, die finanzielle Umverteilung und andere Neuerungen“ — all das gehöre nun auf den Müllhaufen der Geschichte.

5. „In Deutschland gibt es ein riesiges Potential ungenutzter Talente — die Senioren“, verkündet sie in „Bild“. Da würde ein „freiwilliges Dienstjahr“ für gemeinnützige Arbeit ruckzuck Abhilfe schaffen. Natürlich denkt sie an „unbezahlte“ Arbeit — warum auch materielle Anreize, wenn ideelle reichen: „Tausende Rentner sitzen jahrzehntelang zu Hause und haben das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden.“ Da kann ein Arbeitsdienstjahr Wunder wirken, oder?

6. Die Theologin plädierte 1995 für die Schaffung einer Umweltpolizei der Vereinten Nationen, die bei ökologischen Krisen eingreifen solle“ — in Bosnien beispielsweise, weshalb sie kürzlich die „Entdämonisierung der Rolle des Militärs in der Verteidigungs- und Außenpolitik“ forderte.

http://www.beucker.de/bis1996/k1-96.htm

Hört sich das nicht sehr nach Gauck’scher Friedensrhetorik an?

Nachbemerkung von kb: Es darf kontrovers diskutiert werden.

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