(Der größte Dealer ist der Staat – oder Alkis picken besser!)

Ein Beitrag von altautonomer

In Essen ist am 1. Oktober ein Programm gestartet, bei dem Schwerstabhängige auf Plätzen, Straßen und in Parks Müll einsammeln und dafür unter anderem Bier (angeblich 6 Dosen pro Tag) bekommen. Das Projekt „Pick up“ – auf Deutsch: etwas aufsammeln, jemanden abholen – ist das bundesweit erste dieser Art und umstritten. „Ohne den Alkohol, den es in den Arbeitspausen gibt, wären die Abhängigen nicht in der Lage, die Arbeiten durchzuführen“, sagt Bärbel Marrziniak, stellvertretende Geschäftsführerin der „Suchthilfe direkt Essen“, die sich um das Projekt kümmert. (Ohne Alkohol wären aber auch viele Journalisten, Beamte und Mediziner nicht in der Lage, ihren Job auszuüben.) Neben dem Alkohol bekommen die Abhängigen eine warme Mahlzeit, medizinische Betreuung (das Projekt wird von Medizinern wissenschaftlich begleitet!!!), Vitamine und 1,25 Euro pro Stunde in der Putzkolonne. Die Obdachlosenhilfe Ruhrgebiet und Niederrhein nennt das Pilotprojekt „menschenverachtend“. So reduziert sich auch die Kritik von CDU- und SPD-Politiker an diesem Projekt auf die Abgabe von Alkohol an Schwerstabhängige, bei gleichzeitiger Betonung, dass es prinzipiell richtig sei, den Tagesablauf der Betroffenen zu strukturieren. Auf Ein-Euro-Job-Basis sollen die Teilnehmer dann mindestens drei, maximal sechs Stunden mit Handschuhen, Eimern und Müllgreifern ausgestattet herumliegenden Abfall in der Essener Innenstadt aufsammeln. Da haben wir ihn wieder, den Hass auf all diejenigen, die den vorbeieilenden gehetzten Arbeitsplatzinhabern in der Einkaufszone die Kehrseite des Spiegels vorhalten, die Verachtung derjenigen, die ausschlafen und dem Müßiggang frönen können. Unproduktivität scheint sich zu einem der größten Verbrechen in dieser Gesellschaft zu etablieren. Vermutlich stammt die ursprüngliche Idee von Kaufleuten und Ordnungskräften, denen „gesellschaftsschädigende“ Szenetreffpunkte in der Nähe von Konsummeilen ein Dorn im Auge sind.

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