Gestern am späteren Abend, als ich den folgenden Artikel über die Weizenwampe postete, vergaß ich zu erwähnen, dass der Text vom Altautonomen stammt, der, ich kann es versichern, für sein Alter noch eine gute Figur hat. Meine Vergesslichkeit brachte mir sogleich den Hinweis ein, wenn ich solche Artikel verfasste …. na ja, so viel kann ich verraten, ich mag mich selbst nicht im Spiegel sehen.

Nichtsdestoweniger habe ich einiges Wissen über richtige und falsche Ernährung, kenne unter anderem Bücher über die Glyxdiät, Bücher, die einem eine Menge lehren über Lebensmittel, die den Blutzucker sehr rasch ansteigen lassen, was zum Beispiel für einen Diabetiker sehr ungünstig ist.

Doch, wie wir täglich erfahren können, ist Wissen das EINE und Handeln oft etwas völlig ANDERES. Nirgends ist bei mir der Widerspruch so groß zwischen beiden wie bei der Nahrungsaufnahme.

Die Weizenwampe

Ein Text von Altautonomer

Vorab ein paar Worte zur Epigenetik.

Der Ursprung dieses Begriffs (Epi = (griechisch) daneben, obendrauf – bezogen auf das Genom, nicht auf den Menschen), welcher bereits in den 40-er Jahren durch den britischen Entwicklungsbiologen, Paläontologen, Genetiker, Embryologen und Philosophen Waddington geprägt wurde, liegt in den Beobachtungen scheinbar anomaler Vererbungsmuster, die sich durch die Mendelschen Gesetze bzw. der klassischen Genetik nicht erklären ließen. Die Epigenetik findet erst wieder in der ersten Dekade dieses Jahrhunderts die ihr zugedachte wissenschaftliche Bedeutung.

Als spanische Forscher genetisch gleiche Zwillingspaare zwischen 3 und 74 Jahren untersuchten (komme mir jetzt bitte keiner mit Mengele), zeigte sich eindeutig: Die jüngsten Zwillinge unterschieden sich in ihrem epigenetischen Code kaum – die ältesten Zwillinge hingegen immens. Im Laufe ihres Lebens machen Zwillinge unterschiedliche Entwicklungen durch, weichen in ihrer Ernährungsweise und in ihren Lebensgewohnheiten mehr und mehr voneinander ab. So entwickeln sich auch ihre epigenetischen Codes mitunter in verschiedene Richtungen. (Quelle: Planes Wissen – WDR, ARD, ARD alpha)

In einfachen Worten ausgedrückt, ist Epigenetik die Wissenschaft vom Stummschalten, Reaktivieren und Aktivieren (z. B. Durch Noxen und Toxine) von Genen durch eine dauerhaft veränderte Lebensweise.

So werden bei der Inhalation von nikotinhaltigem Tabakrauch rund 300 Gene negativ getriggert. Verglichen mit Kleinkindern nicht rauchender Mütter hat die Babys der Raucherinnen Veränderungen in mehr als 100 Genregionen. (Quelle: http://news.sciencemag.org/biology/2014/07/smoking-mothers-may-alter-dna-their-children

Zwar steckt im DNA-Text des Erbgutes der Bauplan für das Leben. Doch damit dieser überhaupt einen Sinn ergibt, regulieren epigenetische Mechanismen, welche Bereiche aktiv sind und abgelesen wurden, damit neue Proteine entstehen, und welche stillgelegt werden, weil ihre Information in der jeweiligen Zelle oder den aktuellen Bedingungen nicht benötigt werden. So entscheidet letztlich die Epigenetik über die Funktion von Zellen und Organen, aber auch darüber, ob ein Mensch dick oder dünn ist, ob er zu bestimmten Krankheiten neigt oder ob seine Psyche stabil ist.

So fragen Kardiologen bei der Abschätzung eines Herzinfarktrisikos fast immer nach der genetischen Disposition, und zwar ob eines der beiden Elternteile des Patienten vor dem 60. Lebensjahr einen Herzinfarkt erlitten hat. Nicht gefragt wird, ob der Elternteil den Herzinfarkt durch eine infarktbegünstigende Lebensweise wie Bewegungsarmut und fettes Essen evtl. im Laufe des Lebens erst herbeigeführt hat. Und sollte das Infarktrisiko epigenetisch an die Nachkommen weitergegeben worden sein, so heißt dies noch lange nicht, dass das entsprechende Gen auch zwangsläufig angeschaltet wird.

Wer sich für die molekularbiologischen Funktionen der Epigentik näher interessiert, kann das hier nachlesen:
http://www.aerzteblatt.de/archiv/131610/Epigenetik-und-Ernaehrung-Folgenreiche-Fehlprogrammierung

Gut verständliche und seriöse Darstellung auch hier: https://www.youtube.com/watch?v=mOEveMhLfX0

Ein spektakuläres Beispiel für die Aktivierung „gefährlicher“ d. h. krankmachender Gene durch individuelle Lebensweise ist der Verzehr von Weizen und Weizenprodukten. Agrarwirtschaftlich gezüchtet, um möglichst schnell zu wachsen und Schädlinge abzuwehren und immer weiter an die mechanischen Gegebenheiten für industrielle Backprozesse angepasst , haben wir es inzwischen mit einer Getreidesorte zu tun, die zu 50 Prozent aus Gluten besteht.

Noch vor etwa 50 Jahren betrug der Glutenanteil von Weizen lediglich 5 Prozent. Zu dieser Zeit war Weizen ein Bestandteil von Brot, Kuchen und Brötchen. Heute kommt Weizen in fast allen industriell verarbeiteten Lebensmitteln vor, von der Lakritze bis zur Tomatensuppe. Und das macht hungrig. Weizen ist ein Grund, warum viele Menschen trotz gesunder Ernährung und vermehrtem Sport von Jahr zu Jahr dicker werden (nicht, weil der Anteil des freien Testosterons im Blutserum im Alter sinkt und der Östrogenspiegel beim Mann steigt)…………..

……behauptet der Präventionsmediziner und Kardiologe Dr. med. William Davis in seinem Mitte Juni 2014 auf deutsch erschienenen Sachbuch „Die Weizenwampe“.

Fakt ist:
1. Gluten ist der Sammelbegriff für spezielle langkettige Proteine (Eiweiße). Die Zahl der glutensensitiven Menschen wächst ständig. Daneben beträgt die Prävalenz der Zöliakiekranken (pathologische Glutenunverträglichkeit) in Deutschland 1:500, d. h. Auf 500 Gesunde kommt ein Zöliakiekranker.

2. Der Hauptbestandteil der Weizenstärke ist das Amylopectin A. Es läßt sich leicht und schnell von den Enzymen der Bauchspeicheldrüse in Glukose umwandeln. Zwei Stunden nach dem Verzehr hat z. B. Vollkornweizen einen GI (glykämischer Index) von 72, Vollkornweizenspaghetti 42, Haushaltszucker 59. Traubenzucker (Glukose) hat zwar einen Index von 100, wird wird aber nur in kleinen Mengen verzehrt. Zwei Weißbrötchen erhöhe daher den Blutzuckerspiegel genauso, wie ein Riegel Schokolade. Auf hohe Blutzuckerspitzen folgt bekanntlich ein steiler Blutzuckerabfall mit den Folgen „Hunger, Müdigkeit, Zittern“. Die Folgen: Insulinresistenz, Diabetes II. Und alles, was Blutzucker und Insulinspiegel in ungeahnte Peaks treibt, unterstützt das Wachstum des tiefen Bauchfetts, dem sogenannten kardio-metabolischen Syndrom. Am Ende bilden sich Rettungsringe, die sogenannte Weizenwampe.

Allgemeinmedizinischer Goldstandard kritischer und patientenwohlorientierter Ärzte bei den meisten Beschwerden ist demnach die Binse: Jenseits von Pharmaerzeugnissen und invasiven Therapien für einen bestimmten Zeitraum Lebensumstände und Ernährungsgewohnheiten ändern.

Anmerkung:
1. Davis verwechselt leider den glykämischen Index mit der glykämischen Last. Erläuterung würde hier zu weit führen.
2. Auf dieses Buch hat mich mit großer Begeisterung ein Facharzt für Sportmedizin und Orthopädie aufmerksam gemacht, der bisher all meine Bemerkungen über „Chemie in Lebensmittel, Gammelfleisch, Dioxin-Eiern, Stabilisatoren, Geschmacksverstärkern und EHEC“ mit dem Argument wegwischte, dass man doch dann gar nichts mehr essen dürfte, weil alles gepanscht sei.
3. Es geht hier nicht um Totalverzicht, Bevormundung, Verbote, Religion, Ideologie oder Dogmatismus, sondern um Information.

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