Von Gauck lernen, heißt, sich zum Widerstandskämpfer hochstilisieren zu können. Ich mach das jetzt mal: Bis kurz vor Ostern 1957 ging ich noch in der DDR zur Schule. Ich war in der 8. Klasse, und eines Tages kamen zwei Männer zu uns in den Unterricht. Sie wollten Maurerlehrlinge rekrutieren. Als ich sagte, ich möchte lieber Elektriker werden, meinte mein Lehrer, ich glaub, es war der Herr Prager, ich hätte doch oft so feuchte Hände, da wäre Maurer viel besser. Ich weigerte mich beharrlich, denn irgendwie ahnte ich, dass das Unrechtsregime 1961 eine Mauer bauen würde. Ich wollte an der Zementierung der Teilung Deutschlands nicht mitschuldig werden und sagte: Nein!.

(In Wirklichkeit war mir der Beruf des Maurers körperlich zu anstrengend, aber das weiß ja keiner mehr.)

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