Der Psychothriller„Gone Girl“ im Kino.

Von Ullrich Wegerich

Immer nur über die Schlechtigkeit des Kapitalismus zu klagen, nervt auch auf die Dauer. Also habe ich mir einen unterhaltsamen Abend gegönnt und bin ins Kino gegangen, in „Gone Girl“ von David Fincher und Gillian Flynn. Im Mittelpunkt steht das Middle-Class-Paar Amy und Nick (Rosamund Pike und Ben Affleck), die in einer Kleinstadt des amerikanischen Mittelwestens eine Musterehe zu führen scheinen. Aber ganz so toll verhalten die Dinge sich dann doch nicht. Nicht nur sind beide schwer von der Wirtschaftskrise gebeutelt, Amy führt zudem seit ihrer Kindheit ein Scheinleben in der Fiktion der Massenmedien und bekommt schönen Schein und schnödes Sein immer weniger auf einen Nenner. Genau an ihrem fünften Hochzeitstag verschwindet sie spurlos. Zunächst deutet alles darauf hin, dass Ben sie um die Ecke gebracht hat. Aber wieder ist alles ganz anders…

Es gibt etliche Filmzitate, beispielsweise das im Ausguss der Dusche abfließende Blut aus „Psycho“ oder auch der Eispickel aus „Basic Instinct“ wird erwähnt (hier allerdings in Gestalt eines Teppichmessers). Wie viele gute Thriller strotzt der Film von Ungereimtheiten (so bleibt vollkommen unklar, wie Amy in ihrer ganz speziellen Lebenssituation an dieses mörderische Teppichmesser gekommen ist), aber das macht nichts. „Gone Girl“ bietet einen schönen Blick auf den Irrsinn hinter den glatten Fassaden der Mittelschichten und man fragt sich am Ende, wer von beiden Ehepartnern eigentlich der größere Psychopath ist. Also: sehenswert spannend!

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