Hallo und guten Tag, Klaus Baum

im Dezember treten neue Regeln für die Kennzeichnung von verpackten Lebensmitteln in Kraft. Sie werden uns Verbrauchern als Meilenstein verkauft werden! Die Lebensmittelindustrie lobt die neuen Etiketten erwartungsgemäß. Sie behauptet, sie würden zu Transparenz und einer informierten Verbraucherentscheidung führen. Lange nicht mehr so gelacht, kann ich dazu nur sagen. Zwar müssen nach dieser Vorschrift allergene Zutaten hervorgehoben werden und die Nährwertkennzeichnung muss in Zukunft standardisiert sein. Aber das als Erfolg zu feiern, ist lächerlich, denn es handelt sich um Selbstverständlichkeiten!

Die Hauptübel wurden gerade nicht ausgeräumt. Ich bin mir sicher, dass Ihnen das meiste auch schon mal sauer aufgestoßen ist.

Kritikpunkt 1: Schriftgröße

Die wichtigsten Informationen sind häufig die, die die Industrie am liebsten verschweigen würde. Da sie das in vielen Fällen nicht darf, behilft sie sich damit, die Informationen so klein auf die Etiketten zu drucken, dass sie kaum lesbar sind. So haben die Lobbyisten der Lebensmittelindustrie alles daran gesetzt, den Vorschlag der EU-Kommission, die Schriftgröße auf 3 Millimeter festzulegen, zu verhindern. Was ihr dann auch bravourös gelungen ist! Die gesetzlich vorgeschriebene Mindestschriftgröße beträgt nun 1,2 Millimeter bezogen auf die Höhe des kleinen x. Das ist der Grund, warum Sie heutzutage in einigen Supermärkten an den Einkaufswagen festmontierte Lupen finden. Die Lupe als Symbol für verfehlte Verbraucherpolitik!

foodwatch fordert deshalb eine Mindestschriftgröße von wenigstens 2 Millimeter, wie es auch bei Büchern und Zeitschriften üblich ist.

Kritikpunkt 2: Herkunftskennzeichnung

Das Schweinefleisch für den Schwarzwälder Schinken kann aus ganz Europa (ja, dürfte sogar aus Neuseeland!) kommen – wir erfahren es nicht. Und die Früchte der Marmelade können aus Südamerika kommen – wir erfahren es nicht. Wo regional drauf steht, muss noch lange nicht regional drin sein.

foodwatch fordert deshalb eine umfassende Herkunftskennzeichnung!

Kritikpunkt 3: Gentechnik

Tierprodukte wie Fleisch, Milch oder Eiern müssen nicht gekennzeichnet werden, wenn sie von Tieren stammen, die mit gentechnisch veränderten Futterpflanzen gefüttert wurden. Und das obwohl bekannt ist, dass eine überwältigende Mehrheit der Verbraucher Agrargentechnik ablehnt!

foodwatch fordert deshalb eine lückenlose Kennzeichnungspflicht für gentechnisch veränderte Pflanzen und Tiere. Wenn Sie das auch wollen, dann helfen Sie uns bei diesem Kampf und werden Sie Förderin/Förderer von foodwatch!

Kritikpunkt 4: Füllmengen

Aber es wird nicht nur bei der Qualität geschummelt, sondern sogar bei den Mengen! Immer wieder nutzen die Hersteller gezielt Luft-Verpackungen, so dass der Kunde glaubt, da wäre auch mehr Inhalt drin. Aber weit gefehlt! Das ist nur ein Trick, um den Kunden das Geld aus der Tasche zu ziehen! Damit muss Schluss sein!

foodwatch fordert deshalb Mindestfüllmengen für Verpackungen. Wenn es technisch irgend möglich ist, muss die Packung bis zum Rand gefüllt werden! Als absolute Mindestfüllmenge müssen 70 Prozent vorgeschrieben werden.

Kritikpunkt 5: Nährwertkennzeichnung

Im Supermarkt werden auch weiterhin verdeckte Zuckerbomben lauern: Denn die Hersteller dürfen den Zuckergehalt ganz legal im Kleingedruckten verstecken! Ärzte, Krankenkassen und Verbraucher wollten eine Kennzeichnung in Ampelfarben auf der Vorderseite. Doch die Industrie hat eine Milliarde Euro in eine Lobby-Kampagne investiert, um das zu verhindern. Und die Industrie war erfolgreich: Die Politik hat komplizierte Nährwerttabellen beschlossen, die in Mini-Schrift auf der Rückseite stehen dürfen.

foodwatch fordert: Die Nährwerte müssen auf die Vorderseite der Verpackung und für jeden verständlich in Ampelfarben dargestellt werden!

Die Politik muss jetzt endlich aktiv werden, um die zügellos agierende Lebensmittelindustrie in ihre Schranken zu weisen. Mit einem kleinen Team von 16 Mitarbeitern haben wir einen Anfang gemacht. Es hat ein Bewusstseinswandel stattgefunden und die Medien berichten über die heimtückischen Machenschaften der Lebensmittelindustrie. Aber nun muss sich auch wirklich etwas ändern – bitte helfen Sie uns dabei und werden Sie Förderer/Förderin von foodwatch.

Die Medienberichterstattung reicht nicht aus, um die Lebensmittelindustrie zur Umkehr zu bewegen oder die Politik wachzurütteln. Es bedarf zusätzlicher Anstrengungen, um wirklich etwas zu verändern. Wenn Sie sich mit Ihrer Stimme hinter foodwatch stellen, dann ist das ein Fanal – und wenn das viele machen, entsteht daraus der Rückenwind, den wir brauchen, um aus schönen Ankündigungen reale Gesetzesänderungen zu erwirken. Erheben Sie Ihre Stimme und werden Sie Förderin/Förderer von foodwatch.

Aber natürlich schafft auch ein außerordentlich fleißiges und engagiertes Team nicht alles allein. Manchmal müssen wir uns auch von Rechercheuren, Rechtsanwälten, Lebensmittelchemikern, Grafikern und Druckern unterstützen lassen. Und leider ist das alles nicht umsonst zu haben. Deshalb bitte ich Sie, helfen Sie uns, indem Sie Förderer/Förderin von foodwatch werden.

Liebe foodwatch-Interessierte, die Geschichte zeigt immer wieder, Menschen können etwas bewegen, wenn sie sich zusammentun: Deshalb bitte ich Sie, seien Sie dabei und werden Sie Förderin/Förderer von foodwatch!

Vielen Dank und herzliche Grüße,

Ihre

Gabriele Richter
foodwatch

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