… von Tuğçes zu verantworten hat, heißt es in einem Medienbericht:

>>Der mutmaßliche Täter sitzt in Untersuchungshaft. Er schweigt zu den Vorwürfen.<<

Ich habe vor längerem einen Film über Maschmeyer gesehen. Der investigative Journalist wollte Maschmeyer befragen, doch Maschmeyer entzog sich ihm durch Abweisung und Schweigen.

Ich habe 1993 anläßlich einer Ausstellung mit internationalen Künstlern zum Thema Transit den Begriff des totalitären Schweigens geprägt, den ich einer Filmszene verdanke, nämlich Fred Zinnemanns „Julia“. Die Schriftstellerin Lillian Hellman ist zu einem Theaterfestival nach Moskau eingeladen. In Deutschland regieren die Nazis, Hellman hält sich im noch nicht besetzten Paris auf und wird von einemJuden gebeten, eine größere Summe an Dollars nach Berlin zu schmuggeln. Sie geht aufs deutsche Konsulat und bittet um ein Transit-Visum. Man sagt ihr: „You only can stay a few hours in Berlin.“ Als sie fragt, „why is that?“, erhält sie keine Antwort, genauer gesagt, die Antwort ist Schweigen. Die Stille wird unterbrochen durch das Knallen des Stempels auf das Visum.

Wenn Personen in irgendwelche Schweinereien, Betrügereien, Unredlichkeiten verstrickt sind, stehen sehr oft Fernsehteams vor verschlossenen Türen beziehungsweise die Tür wird kurz geöffnet, und wenn die kriminellen Geschäftsleute erfahren, was man von ihnen will, machen sie den Investigatoren die Tür vor der Nase zu.

Das Schweigen der Täter. Warum schweigen sie? Weil sie wissen, dass ihre Rechtfertigungen keinen Bestand vor der Vernunft haben?

Advertisements