flüchtlinge

Ängste? Welche Ängste?

fragt  altautonomer, und er fährt fort:

Dass es auch ›gute Ausländer‹ gibt, weiß mittlerweile sogar jeder Rassist. Schließlich brauchen alle ›gute Ausländer‹, die Industrie, die Neonazis, die multikulturelle Gesellschaft, ob als Putzfrau oder Krankenschwester, ob als Bauarbeiter oder IT-Spezialist – solange ›wir‹ bestimmen, wer gut (für uns) ist. Dieser postkolonialistische Utilitarismus wird im Brustton der Überzeugung von Medien, Politikern und Wählern vorgetragen, die sich absolut nicht als Rassisten verstehen.

Demonstrationen mit dem Argument „berechtigte Ängste“ besorgter Bürger zu verharmlosen verdeckt den rassistischen Konsens und verführt gleichzeitig dazu, sich von den gröhlenden Meinungsführern mit „Wir wollen keine – Asylantenschweine“ zu distanzieren. Das alles erinnert an die „Protestwähler zu Zeiten der DVU, Republikaner, NPD usw., die ja den etablierten Parteien angeblich nur einen Denkzettel verpassen wollten. Tatsächlich sympathisierten sie jedoch mit den Inhalten rechtsextremer Programme, weil sie darin große Übereinstimmung mit ihren Vorstellungen von bürgerlichem Leben sahen.
Prinzipiell so könnte man behaupten, wäre es unter anderem Aufgabe der Politik, Ängste der Menschen ernst zu nehmen. Die Angst vor Überwachung, die Angst vor dem Klimawandel, die Angst vor Betriebsschließungen und Arbeitslosigkeit, die Angst vor Seuchen, die Angst vor Polizeigewalt und die Angst vor dem Alter und der Armutsrente
Die Ursachen der meisten dieser berechtigten Ängste sind aber ausgerechnet genau in der Politik zu suchen. Gab es vom Klientel der aktuellen Demos mit der Angst vor Überfremdung und vor dem Untergang des Abendlandes dagegen Massenproteste?
Um den Untergang des Abendlandes zu verhindern werden jetzt erste Maßnahmen vorgeschlagen. Unter dem Vorwand, dass die Asylverfahren zulasten der Bewerber zu lange dauern, soll es demnächst beschleunigte Verfahren geben. Früher nannte man das „kurzen Prozess“. Daneben gibt es die Forderung, abgelehnte Asylbewerber zügig abzuschieben, ohne nach möglichen -gesetzlichen- Abschiebehindernissen zu fragen. Auch das Wort „Asylant“, das ja nichts über die Fluchtmotive, sondern mehr über die Forderung des anonymen Individuums an den Staat aussagt, wird selbst in Talkshows neben dem „Wirtschaftsflüchtling“ und dem „Scheinasylanten“ unwidersprochen wieder salonfähig. Mal ganz abgesehen von dem Wahlplakat der CDU und Afd mit dem Text „Deutschland als Weltsozialamt“.
Einig sind sich die politischen Angsttherapeuten darin, dass es versäumt wurde, den Menschen zu erklären welche Probleme die Zuwanderung in Deutschlands Kommunen erzeugt. Das erinnert mich an die Begleitmusik der Parteien rechts von der LINKEN, dass Hartz 4 eine gute Maßnahme sei, man müsse es den Leuten nur richtig erklären. Volkshochschulpädagogik mit Nachhilfe in Staatsbürgerkunde!
Michael Spreng, Blogger (Sprengsatz), ehemaliger Chefredakteur von „Bild am Sonntag“ und Wahlkampfmanager von Edmund Steuber 2002, brachte es am letzten Sonntag in der Talkshow bei G. Jauch auf den Punkt: Er fordert „Aufklärung über Fakten“. „Wir brauchen jährlich 200.000 Zuwanderer, um unseren Wohlstand aufrecht zu erhalten. Wir haben aus Rumänien und Bulgarien 253.000 Menschen, die hier arbeiten und 66.000 Hartz 4-Empfänger. Die sind es zum großen Teil deshalb, weil sie trotz Arbeitsmöglichkeit Aufstocker sind. „ Und wehe, die werden arbeits- und damit nutzlos. Dann wartet am Ende doch der Abschiebeknast.
Gern genommen wird zur Lösung des Kommunikationsproblems mit Rassisten wieder der runde Tisch. Anderswo singen Karnevals- und Volksliedervertreter dem Massenpublikum mit Happeningfeeling (15. in Kölle mitte Bläck Föös) auf der Strasse den Frieden herbei.
Das alles in einem Jahr, in dem seit Anfang der 90er Jahre wieder Flüchtlingsheime brennen.

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