„Nur wenn das, was ist, sich ändern lässt, ist das was ist, nicht alles.“ (Adorno)

Sinngemäß wird von einigen Diskutanten die Ansicht vertreten, die Ermittlung des wirklichen Bedarfssatzes bei Hartz IV sei unsinnig, sei vergeblich, auf Englisch futile, weil: Hartz IV gehört abgeschafft. Da aber wir, die wir Hartz IV ablehnen, nicht darüber bestimmen können, dass Hartz IV abgeschafft wird, ist es –  in meinen Augen – hilfreich zu wissen, wie hoch denn – aus objektiver Warte betrachtet – der Hartz-IV-Satz zu sein hätte.

Die Ermittlung, wie hoch Hartz-IV zu sein hätte, ergibt einen Maßstab, an dem man nicht nur subjektiv, für sich privat, sondern objektiv messen kann, um welchen realistischen Geldbetrag wir Armen beschissen werden.

Man sollte nicht alle Tätigkeit daran messen, ob sie etwas bringt oder ob sie etwas verändert. Wenn dem so wäre, wäre alle Philosophie, die je eine Idee der Menschheit entworfen hat, überflüssig, vergebliches Denken gewesen. Ich habe den Idealismus, vor allem den Hegels, als absolute Lebenshilfe empfunden, weil er mir die Differenz zwischen dem, was ich bin und was ich sein könnte, aufgezeigt hat. Idealistisches Denken macht deutlich, dass das, was ist, nicht alles ist.

Hier noch ein Beitrag beziehungsweise Hinweis von Ernst-August:

Hartz IV: Schwarze Pädagogik für Erwachsene

Lesenswerter Kommentar von Heribert Prantl in sz online v. 27.12.2014.

Hier ein Ausschnitt:

Seit und mit Hartz IV hat die Armut in Deutschland zugenommen. Hartz IV hat die Stimmung im Land nicht gehoben, sondern gedrückt. Hartz IV hat die Schuld an der Arbeitslosigkeit an diejenigen abgeschoben, die arbeitslos sind. […]
Hartz IV betrachtet Millionen Menschen als potenzielle Faulpelze
Der Sanktionsparagraf 31 des Sozialgesetzbuchs II ist Kern und Zentrum des gesamten Hartz-Gesetzes – der längste Paragraf und offenbar der wichtigste: Wie kann man die Hartz-IV-Empfänger zwiebeln? Der Paragraf behandelt die Leute als potenzielle Faulpelze, denen man die Faulpelzerei auf Schritt und Tritt austreiben muss. Das trifft seit der Einführung des Gesetzes vier bis fünf Millionen Menschen jährlich.
Die schwarze Pädagogik, in der Kindererziehung verpönt, hat Hartz IV also bei erwachsenen Menschen wieder eingeführt. Das Gesetz hat wieder eingeführt, was das Bundesverfassungsgericht abgeschafft hat: Der Betroffene steht in einem besonderen Gewaltverhältnis zum Staat; er ist mehr Untertan als Bürger, er ist Objekt von staatlichem Paternalismus.
Das passt gut zu einem autoritären Kapitalismus, aber nicht zu einem Staat, der sich Sozialstaat nennt. Das passt vielleicht auch zu einer „marktkonformen Demokratie“, wie sie Angela Merkel postuliert hat. Der marktkonforme Demokrat ist aber nicht der Demokrat, den sich das Grundgesetz vorstellt.

Quelle http://www.sueddeutsche.de/politik/jahre-hartz-iv-schikane-per-gesetz-1.2281699

PS. von kb: Auf facebook kursiert eine Meldung, dass eine Umfrage ergeben hätte, die Deutschen seien mit der derzeitigen Regierung soooooo zufrieden wie noch nie.

Wer es nötig hat, sich derart in die Tasche zu lügen, der ist wahrlich arm dran.

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