Ich habe sie heute morgen gehört, die Presseschau. Mir fiel auf, dass die Grundstruktur in der Beurteilung des Attentats in den Redaktionsräumen von Charlie Hebdo sich fast ausschließlich als Clash der „Kulturen“ darstellt, das heißt: hier Freiheit, dort islamischer Fundamentalismus.

Was aber wäre, und ich formuliere es als Hypothese, wenn dieses Attentat eine Inszenierung ist, wenn die Killer aus einem Umfeld rekrutiert worden sind, das es erlaubt, den Islam mal wieder als ganzes zu beschuldigen. In den Kommentaren der Zeitungen wird die Möglichkeit eines gelenkten Attentats noch nicht einmal angedacht. Ich will nicht sagen, dass es sich um eine Inszenierung handelt, sondern lediglich, dass man diesen Aspekt mit in Erwägung ziehen müsste.

Die Presseschau aus deutschen Zeitungen von Ab 07:05 Uhr
Weiterhin beherrschendes Thema in den Kommentarspalten ist der Anschlag auf die französische Satire-Zeitung „Charlie Hebdo“.

Im FLENSBURGER TAGEBLATT ist zu lesen:

„Mit diesem Islam ist kein demokratischer Staat zu machen. ‚Wir haben Charlie Hebdo getötet‘, schrie einer der Attentäter. Unfähig zur Toleranz töten sie Andersdenkende und berufen sich auf den Propheten des Islam. Wenn dieser Islam nicht reformiert wird, hat er keine Zukunft in Europa. Zumindest nicht in Frankreich. Denn wenn es um die Freiheit geht, gehen die Franzosen auf die Straße und riskieren auch mal eine Revolution. Unterwerfung bleibt für sie eine Fiktion“,

heißt es im FLENSBURGER TAGEBLATT.

„Terror und Mord haben mit dem Islam nichts zu tun“, hält die SCHWÄBISCHE ZEITUNG aus Ravensburg fest:

„Man mag diesen ritualisierten Satz nicht mehr hören, weil er nichts erklärt und an der Wahrheit vorbeischrammt. Die Mordanschläge von Paris und die fast nicht mehr zählbaren Selbstmordattentate weltweit sind Folge einer Koran-Interpretation, welche die große Mehrheit der Muslime als Perversion bewertet. Leider jedoch übt diese pervertierte Lesart auf Tausende überwiegend junger Muslime eine fatale Faszination aus. Falls es zutrifft, dass dieser Anschlag der Freiheit in einem umfassenden Sinne gegolten hat, dann resultiert daraus eine Bringschuld der in Europa lebenden Muslime. Sie müssen laut vernehmbar zu diesen Freiheitswerten stehen“,

verlangt die SCHWÄBISCHE ZEITUNG.

Die RHEIN-NECKAR-ZEITUNG aus Heidelberg bemerkt:

„Anders als das Christentum hat der Islam seine Aufklärung noch nicht durchlitten. Doch unabhängig davon, wie ‚fortschrittlich‘ eine Religion erscheinen mag: Sie muss geschützt werden. Sie stellt ein ebenso hohes Gut dar, wie die Meinungsfreiheit.“

Die AUGSBURGER ALLGEMEINE bewertet die Reaktionen im Internet:

„In den Stunden nach dem Anschlag haben Facebook, Twitter und Co. endgültig ihre Reifeprüfung als Katalysator für politisch-gesellschaftliche Reaktionen bestanden. Nur mithilfe dieser Plattformen haben Millionen Menschen öffentlich und in Windeseile ihre Trauer und Solidarität mit den Opfern ausdrücken können.“

Die SÜDWEST-PRESSE aus Ulm führt aus:

„Fast war es so, als würde die Welt nach den feigen Morden von Paris für Momente in anteilnehmender Stille verharren. Nur einer nutzte das Blutbad für eigene Interessen: Alexander Gauland, Leitfigur der rechten AfD. Er instrumentalisierte den Terrorangriff in Frankreich, um die Anliegen der Protestbewegung Pegida zu legitimieren. Als seriöse Wirtschaftspartei wollte sich die AfD präsentieren. Als Sammelbecken für Ausländer- und Islamfeinde hat sie sich enttarnt“,

findet die SÜDWEST-PRESSE.

Die FRANKFURTER ALLGEMEINE wendet ein, dass AfD-Chef Bernd Lucke mäßigend eingegriffen habe und fährt fort:

„Doch da hatte schon längst die SPD den Finger gehoben und davor gewarnt, aus dem Anschlag innenpolitisch Kapital zu schlagen. Dabei tat sie ihrerseits natürlich genau das. Pegida und AfD müssten aufpassen, ‚dass sie nicht das Geschäft der Terroristen betreiben‘, sagte Thomas Oppermann, was nun auch nicht gerade pietätvoll ist“,

kritisiert die F.A.Z.

Die WESTDEUTSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG urteilt:

„Am Montag wollen die selbst ernannten Abendland-Retter mit Trauerflor marschieren. Das ist heuchlerisch und Zynismus pur. Ausgerechnet jene Brandstifter, die mit ihren platten Parolen Ausgrenzung und Intoleranz das Wort reden, gerieren sich nun als Biedermänner. Wer, wie Pegida, die angebliche ‚Islamisierung‘ der westlichen Kultur als Schreckgespenst an die Wand malt, der betreibt Demagogie statt Aufklärung“,

empört sich die WAZ aus Essen.

Schlagen wir nun die Zeitung DER NEUE TAG aus Weiden auf:

„Das Pariser Attentat wird nicht ohne Folgen bleiben. Es gilt dabei, besonnen die richtigen Schlüsse zu ziehen. Die deutsche Gesellschaft muss für ihre Freiheit geschlossen einstehen – mit null Toleranz gegenüber religiösem Extremismus. Das darf aber nicht die bestehende Intoleranz gegenüber Menschen anderen Glaubens weiter anheizen. Jede Einschränkung einer offenen Gesellschaft brächte die Mörder von Paris ihren Zielen näher“,

gibt DER NEUE TAG zu bedenken.

Der RHEINISCHEN POST gibt die aktuelle Bertelsmann-Studie zu denken:

„Jeder zweite Deutsche empfindet demnach den Islam als Bedrohung. Den Islam? Den einen gibt es nicht. Der Koran ist interpretationsfähig. Ja, es gibt Intoleranz, Frauenverachtung und Hasspredigten im Namen Allahs. All das ist zu verurteilen, wann und wo immer es auftritt. Aber viele Muslime beten friedlich zu Allah, akzeptieren den deutschen Rechtsstaat und wollen ohne Hass leben“,

unterstreicht die RHEINISCHE POST aus Düsseldorf.

Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG kommentiert:

„Die Freiheit der Presse ist fast allen autoritär denkenden Menschen und Orgnisationen widerwärtig. Also ist der Grad der Pressefreiheit auch ein sehr gutes Maß für das Wohlergehen von Demokratie und Freiheit in einem Staat. Putschisten, Zentralkomitees und Hasskappen schurigeln, bedrohen und attackieren schnell, aber auch nachhaltig Redakteure, Blogger und Reporter. Das Pariser Massaker richtete sich gegen bestimmte Menschen einer bestimmten Profession, die auf oft provozierende Weise wöchentlich Freiheit neu definiert haben. Es sollte in jenem Land, von dem einst die Aufklärung entscheidend ausging, Liberté, Egalité, Fraternité zerstören oder wenigstens beschädigen“,

befindet die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.

Die MITTELDEUTSCHE ZEITUNG aus Halle meint:

„Noch nie sind sich islamistische Terroristen und islamophobe Radikale so nahe gewesen wie in dem Schlachthaus, in das die Mörder das Redaktionsgebäude von Charlie Hebdo verwandelten. Was sie verbindet, ist ihr Hass auf die so genannte ‚Lügenpresse‘, dem die Demonstranten in Dresden Montag für Montag grölend Ausdruck verleihen – nichts anderes trieb die Attentäter an, die versuchten, die Lügenpresse zum Schweigen zu bringen.“

So weit die MITTELDEUTSCHE ZEITUNG.

Die Zeitung DIE WELT thematisiert die Debatte über ein neues Einwanderungsgesetz:

„Die von CDU-Generalsekretär Peter Tauber angeregte Diskussion kommt zum passenden Zeitpunkt. Deutschland steht vor einer großen Debatte, die man zu lange Ideologen jeder Couleur überlassen hat: ängstlichen Xenophoben und naiven Multikulturalisten. Ein erfolgreiches Land funktioniert wie ein guter Klub: Jeder will rein, und die Türsteher wissen, welche Mischung der Laden braucht, damit er läuft und Spaß bringt. Zu lange hat Deutschland von Gastarbeitern gesprochen und sich hinter dem Grundrecht auf Asyl versteckt. Jetzt gilt es, den nächsten Schritt zu gehen und ein Angebot an jene Menschen zu machen, die ihre Zukunft in einem freiheitlichen, liberalen und friedlichen Land wie dem unseren sehen.“

Wir zitierten DIE WELT.

Der MÜNCHNER MERKUR schaut auf die Lage in Frankreich:

„Es sind von Tristesse und Verzweiflung gezeichnete Banlieues, bewohnt von Jugendlichen, die mangelnde Perspektiven und fehlende Chancen durch Gewalt zu kompensieren versuchen. Ein ideales Feld für islamistische Heilsversprecher. Zusammen verbreiten sie Angst. Und obwohl eine Minderheit, haben sie und aus Syrien zurückgekehrte kampferprobte Islamisten es geschafft, den Islam für die Mehrheit der Franzosen als Bedrohung erscheinen zu lassen. Was für ein Irrsinn in einem Land mit derart tiefgehenden muslimischen Verbindungen wie Frankreich“,

urteilt der MÜNCHNER MERKUR.

Die TAGESZEITUNG merkt an:

„Nach dem Massaker gab es Schüsse auf Moscheen, die Rechtsextreme Marine Le Pen träumt von Todesstrafe und vom ‚Krieg gegen den Fundamentalismus‘. Die Mechanik des Hasses scheint in Gang zu kommen. Wenn sich weite Teile der Mehrheitsgesellschaft und der muslimischen Minderheit als Opfer des anderen fühlen, haben die Radikalislamisten gesiegt“,

warnt die TAZ zum Ende dieser Presseschau.

Heute mit folgenden Zeitungen
AUGSBURGER ALLGEMEINE
DER NEUE TAG
FAZ
FLENSBURGER TAGEBLATT
RHEIN-NECKAR-ZEITUNG
RHEINISCHE POST
SCHWÄBISCHE ZEITUNG
SÜDDEUTSCHE ZEITUNG
SÜDWEST PRESSE
WESTDEUTSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG
MITTELDEUTSCHE
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