Blütensthaub

Ich bin Martin. Je ne suis pas Charlie. Ich empfinde kalte Wut und hilflosen Schrecken, wenn ich an die ermordeten satirischen Kollegen von „Charlie Hebdo“ denke. Aber ich bin nicht Charlie. Davon gibt es inzwischen zu viele. Zu viele falsche.

Plötzlich sind alle Charlie. Sogar die NATO. „Wir stehen in voller Solidarität bei unserem Verbündeten Frankreich”, ließ der Generalsekretär verkünden. Wird die NATO demnächst als Herausgeber von „Charlie Hebdo“ fungieren? Und wird Gauck Gast-Kolumnist bei der „Titanic“? Denn auch der Bundespräsident erklärte im deutschen Namen: „Wir sind Charlie“. Die Zahl der Charlies wächst von Stunde zu Stunde, von einer Betroffenheitserklärung zur nächsten. Die CSU ist Charlie. Die „FAZ“ ist Charlie. Die „Welt“ ist Charlie. „BILD“ ist Charlie. Und. Und. Und.

Auch die Heuchelei heißt Charlie. „Ein Angriff auf die Pressefreiheit!“ – so das einhellige Medien-Echo auf die Todesschüsse. Pressefreiheit – nur zur Erinnerung – nennt man eigentlich einen Zustand, wenn…

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