„Gabriel und Putin demnächst gemeinsam in der VIP-Lounge des Gazprom-Stadions auf Schalke“

Bin heute mehr zufällig auf den neuesten Text von Rainer Trampert gestoßen. Trampert ist in meinen Augen ein sprachliches Genie deshalb, weil er es versteht, geopolitische Zusammenhänge in für durchschnittlich gebildete Leser verständlicher Form zu präsentieren, ohne, dass die Präzision des Inhaltes darunter leidet. Blähwörter wie „nachfrageorientiertes Wachstum“, „Devisen“, „Zertifikate“, „Schuldenbremse“ und „Wechselkurs“ wird man hier vergeblich suchen. Wer wissen möchte, warum der Sprit in Deutschland zur Zeit einen Tiefstand hat, und was dieser mit dem Import von Kinderspielzeug aus China bzw. der Verschiebung der militärischen Bedrohungskoordinaten in den nächsten 5 Jahren zu tun hat, wird hier über die ökonomischen Hintergründe aufgeklärt.

Text-Proben:
„Die »Hinwendung« Russlands »nach Asien bereitete« Michael Harms, dem Chef der deutsch-russischen Auslandshandelskammer, »große Sorge«. Russische Staatskonzerne kauften zuerst in Russland, dann in China oder Südamerika. Werner Wenning, der in Aufsichtsgremien über Eon, Bayer, Siemens und Henkel wacht, kritisiert verbittert, dass »über Jahrzehnte entwickelte Handelsbeziehungen« kaputt gingen: »Wir können nicht bei jedem Umsturz die Maschinen mitnehmen, das Land verlassen und sagen: Wir kommen wieder, wenn ihr unserem Verständnis von Demokratie entsprecht.« Die SPD begriff. »Wir sägen den Ast ab, auf dem wir sitzen, wenn wir zur russischen Wirtschaft eine Mauer aufbauen«, sagt Frank-Walter Steinmeier, und der SPD-Außenpolitiker Rolf Mützenich denkt über die Rücknahme der Sanktionen nach.“

„Die USA sind vom größten Ölimporteur zum größten Ölproduzenten aufgerückt. Im September 2014 förderten sie zwölf Millionen Barrel Öl am Tag, Russland elf, Saudi-Arabien 9,5, der Irak 3,3, andere weniger. Wenn der bislang stärkste Nachfrager weniger abnimmt, wächst der Druck auf den Preis. Was heute stattfindet, ist eigentlich kein Preisverfall, sondern die Rückkehr zur Normalität. Der Ölpreis war von 2002 bis 2008 spekulativ von 30 auf 150 Dollar gestiegen – angeheizt von der Irak-Invasion 2003, den Bürgerkriegen in Ölgebieten und der Vision vom Ende der Ölzeit (»Peak Oil«). “

„Der ehemalige Verteidigungsminister Chuck Hagel kündigte an: »Die USA werden ihre (…) Orientierung in Richtung Asien fortsetzen und bis 2020 60 Prozent ihrer Seestreitkräfte in Asien stationiert haben.«“

„Deutschland bricht die Zelte in Russland ab, um Öl und Gas aus Sharia-Diktaturen zu holen, die Frauen steinigen, Arbeitskräfte versklaven und zwischen Aufständen und Kriegen hin und her taumeln. Deutschland versorgt Saudi-Arabien und Katar mit Waffen, während Russland keinen Audi bekommt. Unsere Kinderzimmer quellen über vor Spielzeug und Digitalwaren aus China, obwohl die Diktatur 180 000 Menschen verschwinden ließ. An den Auflagen für Russland gemessen, dürfte in China kein Brummkreisel gekauft werden. “

http://www.rainertrampert.de/artikel/ueber-den-oelpreis-den-rubel-und-das-geopolitische-erdbeben

Advertisements