Pegida demonstriert nicht nur auf den Straßen, der Geist von Pegida ist auch in den Ämtern aktiv.

angela heinssen hat gerade ein Update zur Petition „Landrat Kai-Uwe Bielefeld: Keine Abschiebung des Säuglings Duha Aline“, die Sie unterschrieben haben, veröffentlicht.

Mit herzloser Begründung wird dem Baby Duha Aline (8 Monate) das Aufenthaltsrecht endgültig verweigert
von angela heinssen
Hemmoor, Deutschland
25. Jan. 2015 — Zohra und Maher sind unter Schock durch das aktuelle Schreiben des Landrates zum Aufenthaltsrecht des Kindes Duha Aline (8 Monate).

Mit Bescheid vom 19. Juni 2015 wird das Aufenthaltsrecht des Babys Duha Aline (8 Monate) endgültig abgelehnt. Die nunmehr für das Kind beantragte palästinensische Nationalität (entsprechend der Nationaliät des Vaters) könne nicht berücksichtigt werden, da die Behörde von der Beantragung der marokkanischen Nationalität (wie die der Mutter ausgegangen sei.) Da die Eltern sich nicht bemüht hätten dem Kind die Nationalität der Mutter zu verschaffen, hätten sie nicht im behördlichen Verfahren mitgewirkt und das Kind erhalte daher kein Aufenthaltsrecht.

Der Anwalt der Familien schreibt dazu an die Behörde. „In der Anlage übersende ich Ihnen die Bestätigung der Palästinensischen Mission Berlin vom 12. Januar 2015 über den Antrag eines Reisepasses für das Kind Duha Aline. ….. Es gibt im Staatsangehörigkeit-/Ausländerrecht keine Vorschrift, die es einem Kind verbietet, die Staatsangehörigkeit nur eines Elternteils anzunehmen. Mithin ist es ausreichend, wenn Duha Aline die palästinensische Staatsangehörigkeit erhält.

Den Landrat läßt das kalt, es wird schlicht festgestellt, dass das Kind mit Mutter nach Spanien oder Marokko ausreisen reisen. Das Recht auf Familie gem. Art 6 Grundgesetz und Art 8 EMRK könne durch den Vater selbst geschützt werden, wenn er die beiden nach Spanien oder Marokko begleite.

Herr Landrat, warum kein Wort dazu, ob Maher, der Vater von Duha Aline, überhaupt nach Spanien oder Marokko einreisen kann oder wie sich die Familie dort ernähren soll. Kein Wort dazu, ob die internationale Kinderrechtskonvention verletzt ist, wenn das Kind gegen seinen Willen vom Vater getrennt wird. Der Vater von Duha Aline hat bisher immer betont, dass er nach über 13 Jahren in Deutschland hier bleiben möchte. Er hat gerade ein Aufenthaltsrecht bis 2016 erhalten.

Wieder bleibt die Frage: Dürfen Vater und Kind gegen ihren Willen getrennt werden? Entspricht das internationalen Menschenrechten?

Hintergrund: Zohra und Maher konnten sich tatsächlich nur schwer einigen, welche Nationalität das Kind annehmen soll. Die Entscheidung für die Nationalität des Kindes ist bei Eltern mit unterschiedlichen Nationalitäten nie einfach und kann zu Konflikten führen. Dieser Umstand darf indes niemals von deutschen Behörden zu Lasten eines Kindes ausgelegt werden. Das ist nicht nur eine Gebot der internationalen Menschenrechte, sondern auch ein Gebot der Menschlichkeit. Es ist wichtig auch sein Herz sprechen zu lassen!

—————————————————————————————————

Es liegt mir fern, irgendwelche Parallelen ziehen zu wollen. Auf gar keinen Fall. Gott bewahre, aber eine Ähnlichkeit meine ich doch zu vernehmen:

Im obigen Artikel wird das Attribut herzlos verwendet. Und in der folgenden Sendung über Höss das Attribut kaltblütig.

http://www.deutschlandfunk.de/auschwitz-kommandant-hoess-kaltbluetig-agierender-verwalter.1310.de.html?dram:article_id=309823

Ein Auszug aus dem Text des Deutschlandfunks:

Am 27. Januar jährt sich der Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die sowjetische Armee: Eine Schlüsselfigur in diesem Vernichtungslager war der Kommandant Rudolf Höß – der Publizist Volker Koop hat eine neue Biografie über ihn geschrieben.

Um es gleich zu sagen: Dieses Buch ist eine Zumutung. Nicht wegen seiner Form, seines Stils, sondern wegen der Figur, von der es erzählt. Ein Mensch, der davon träumte, ein – Zitat – „perfektes Konzentrationslager“ zu errichten, ein Lager, in dem die Gefangenen gerne sind und in dem sie dann auch gerne sterben, in den Gaskammern. Aus diesem Grund ließ Rudolf Höß auch eine Rhododendron-Hecke vor den Krematorien anpflanzen, schreibt Volker Koop in seiner Biografie eines Massenmörders. Der Weg in den Tod sollte schön sein, so die Idee – eine sehr perverse Logik. Doch Rudolf Höß war kein Psychopath. Sein Leben steht beispielhaft – mit den berühmten Worten von Hannah Arendt – für die Banalität des Bösen.

„Das Erschütternde und Erschreckende ist schon, dass er morgens – in Anführungsstrichen – zur Arbeit ging, und wenn seine Frau ihn abends fragte, ob es etwas Besonderes gegeben habe, sagte er: Nein, wir haben heute drei Transporte abgefertigt. Das bedeutete im Klartext: 6.000 Menschen umgebracht. Man kann sich nicht vorstellen – jedenfalls ich nicht –, dass nach einem solchen Tagespensum er dann abends mit den Kindern spielte, ausritt und sich anderen ganz normalen zivilen Beschäftigungen widmete. Und am nächsten Morgen ging er wieder an den Arbeitsplatz und hat Befehle ausgeführt.“

„Eine Biografie“ nennt Volker Koop sein Buch über den Kommandanten von Auschwitz. Man könnte auch von einem großen biografischen Essay sprechen, denn die Lebensgeschichte dieses willigen Vollstreckers wird zum einen nicht chronologisch erzählt, zum anderen auch in unterschiedlichen thematischen Kapiteln beleuchtet: da die Persönlichkeit von Rudolf Höß, hier der Zyniker, da ein Blick auf seine Mittäter im Konzentrationslager Auschwitz. Für das zuletzt genannte Kapitel wertete Volker Koop erstmals umfassend die sogenannten Charakterstudien aus, ein Dokument, das Höß 1946 und ’47 in seiner Krakauer Haft verfasst hatte – und das als Kopie in den Akten der Stasi-Unterlagen-Behörde zu finden ist.

„Wenn man die Äußerungen von Höß wörtlich nähme, dann wären es die Unzulänglichkeiten von Vorgesetzten und Untergebenen gleichermaßen gewesen, die ihn daran gehindert hatten, das perfekte‘ Konzentrationslager zu errichten und zu führen. Bemerkenswert ist die immer wiederkehrende Darstellung seiner Ohnmacht. Wer die Beschreibungen liest, bekommt den Eindruck, Höß habe weder als KZ-Kommandant noch als Standortältester Einfluss auf die Auswahl und das Verhalten des SS-Personals nehmen können.“

„Das – oder die Art, wie Höß im Gefängnis in Krakau über seine vorherigen Kumpane schreibt, geben vor allen Dingen ein Bild des Herrn Höß wieder. Denn – und das ist ja der Widerspruch, der sich in vielen Bereichen durch das Leben von Höß zieht – als Kommandant und ab 1944 als Lagerältester hätte er durchaus die Möglichkeit gehabt, in seinem Sinne Ordnung zu schaffen, die Leute versetzen zu lassen. Er hat das nicht getan, sondern er hat diese Leute in der Zeit, in der er verantwortlich war, gewähren lassen. Ich glaube, wenn er diese Mittäter derart charakterisiert, ging es mehr oder weniger darum, vor den Alliierten und den Polen die eigene Schuld, so er sie überhaupt sah, zu relativieren.“

Hier weiterlesen:

http://www.deutschlandfunk.de/auschwitz-kommandant-hoess-kaltbluetig-agierender-verwalter.1310.de.html?dram:article_id=309823

Advertisements