Ich hatte es, glaube ich, schon früher einmal erwähnt: Philosophie in Gestalt der Erkenntnistheorie beschäftigt sich mit der Frage nach dem richtigen Erkennen, Es geht um das Bemühen nach Wahrheit.

Liest man dieser Tage die neoliberalen Statements über Griechenland, dann wird einem klar, dass es dem Neoliberalismus nicht um Wahrheit geht, sondern um Macht und die Durchsetzung seiner partikularen Interessen.

Deutlich wird das besonders anhand der vermeintlich einzig richtigen Lesart der von der jetzigen griechischen Regierung ins Gespräch gebrachten Reparationszahlungen der Deutschen an Griechenland. Ich muss zugeben, ich bin da nicht im Detail informiert, aber eines erinnere ich genau: die Verweigerer solcher Zahlungen reden von einem vor etwa 25 Jahren abgeschlossenen Vertrag, mit dem alles erledigt und abgegolten sei. Der denkfaule deutsche Michel, als er das hörte, lehnte sich zurück und murmelte vor sich hin: abgeschlossen, erledigt, vorbei, vorüber, nie wieder.

Vor zwei Tagen, es können aber auch schon wieder drei gewesen sein, wurden die Mitglieder der griechischen Regierung in den Presseschauen abgekanzelt als kleine Jungs beziehungsweise als pubertäre Jünglinge.

Doch so allmählich nehmen die Stimmen zu, die sagen: Nichts ist abgeschlossen, Schäuble und Konsorten haben unrecht, sie sind entweder dumm oder verlogen oder beides.

Worauf ich aber mit der Überschrift hinaus wollte: Erkenntnistheorie fordert unter anderem die Reflexion des Urteilenden auf den Standpunkt, von dem er aus urteilt. Der sich selbstkritisch Reflektierende macht sich die Bedingungen seiner „Erkenntnisse“ bewusst. Er fragt sich: urteile ich jetzt aus der Vogelperspektive, aus gleicher Höhe mit den anderen – oder urteile ich jetzt aus der Froschpersperktive. Besser noch als der Begriff der Froschperspektive gefällt mir der, den Ross Macdonald verwendet: The Worm’s-eye view.

Wer aufmerksam die Propagandaäußerungen aus den Reihen der neoliberalen Phalanx verfolgt, wird bemerken: die Relativierung ihrer Aussagen auf einen point of view hin – Fehlanzeige. Nur Dumme sind nicht in der Lage, das, was sie denken, sagen, meinen zu relativieren. Stets tun sie so, als seien ihre Statements gleichsam aus dem ontologischen Himmel auf sie herabgefallen, als seinen es göttliche Erleuchtungen, die sie uns in religiöser Intoleranz aufzwingen wollen.

 

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