.

>>Bundessozialministerin Andrea Nahles (SPD) hält wenig von der Annahme, wonach ein Bürger, der über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verfügt, arm ist. Armut solle neu definiert werden, meint Nahles. Damit verdränge die Politikerin das Problem, kritisiert der Armutsforscher Christoph Butterwegge im Interview mit Deutschlandradio Kultur.

„Ich fürchte, dass auf diese Art und Weise wieder versucht werden soll, das Problem zu verharmlosen und zu verdrängen“, sagt Christoph Butterwegge. Der Sozialwissenschaftler forscht an der Universität Köln zum Thema Armut. Armut habe viele Gesichter und wenn man versuche, diese verschiedenen Aspekte zu erfassen, werde die Frage der Definition von Armut „ein unendliches Projekt“. Wichtiger als statistische Zahlen sei die Einsicht, dass in Deutschland die soziale Ungleichheit wachse. „Man muss dafür sorgen, dass man Arbeitsverhältnisse schafft, von denen die Menschen leben können“, sagt Butterwegge. Ein großer Teil der Armut in Deutschland sei durch die politischen Entscheidungsträger selbst erwirkt worden, etwa durch die Agenda 2010 oder die Hartz-Gesetze. „Wir müssen an den Strukturen ansetzen – da hat die Politik ihre Verantwortung.“ Das Armutsproblem dürfe nicht subjektiviert werden. Armut sei ein strukturelles Problem. „Ich glaube, das Problem ist nicht der fehlende Aufstiegswille, sondern die fehlenden Aufstiegsmöglichkeiten“, sagt Butterwegge.<<

Quelle und mehr (zum Nachhören):

http://www.deutschlandradiokultur.de/soziologe-christoph-butterwegge-wie-armut-in-deutschland.1008.de.html?dram%3Aarticle_id=315480

Andrea Nahles, die Dummschwätzertussi, definiert die Armut weg

Übernahme von den Nachdenkseiten

.

Andrea Nahles ist bekanntlich Sozialdemokratin und Arbeitsministerin, und als solche hat sie nun in der SZ einen beachtenswerten Vorschlag zur Bekämpfung der Armut gemacht: Sie definiert sie einfach weg. Sie hält nicht viel von der weitverbreiteten Annahme, wonach jeder, der weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat, arm ist. […]

Frau Nahles ärgert sich, weil kürzlich ein Bericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbands ergeben hat, dass die relativ gemessene Armut einen neuen Höchststand erreicht hat. Das passt natürlich nicht zu der Erzählung, dass es in diesem Land allen besser geht.

Quelle: ZEIT Herdentrieb

Anmerkung Sebastian Thieme:

Zum Thema selbst gibt es natürlich noch viel mehr zu schreiben. Aber Mark Schieritz in der ZEIT bringt m. E. die offensichtlichsten Dinge auf den Punkt. War es nicht Nahles, die mit ihrem Versuch einer Pippi Langstrumpf-Imitation der damaligen Regierung VOR der Wahl vorwarf, sich die Welt einfach zurecht zu biegen? Nahles macht genau das, was wir von den Konservativen erwarten. Fehlt nur noch, dass sie auch noch die absolute Armut in Abrede stellt, weil wir ja einen Sozialstaat haben. Vielleicht ist ja genau das die Strategie: (i) Die relative Armut verneinen, (ii) sich auf die Beseitigung der absoluten Armut konzentrieren und (iii) die dann wieder verneinen dadurch, dass wir ja über Hartz IV die absolute Armut gar nicht mehr in Deutschland haben. Besonders peinlich: Als Arbeits- und Sozialministerin sollte sie eigentlich auch die Armutsberichte kennen. Da stand noch im Dritten Bericht: “So herrscht heute weitgehend Konsens, dass soziale Gerechtigkeit sich nicht in erster Linie nur an materiellen Verteilungsaspekten orientieren kann, sondern auch ein Mehr an Gleichheit bei den Teilhabe- und Verwirklichungschancen bedeuten sollte. Diese Teilhabechancen müssen in allen wichtigen Bereichen unabhängig von der Einkommenssituation der betroffenen Person eröffnet werden.” (Dritter Armuts- und Reichtumsbericht, S. 39 [PDF]) Mir fällt jetzt spontan nichts ein, womit sich Frau Nahles noch mehr für ihren Posten disqualifizieren konnte, als mit ihrer Aussage über die Armut. Eigentlich ein Grund, ihren Rücktritt zu fordern!

 

Advertisements