„Umstrittener“ Besuch des griechischen Ministerpräsidenten in Moskau

Albrecht Müller

So hieß es im Deutschlandfunk heute um 13:00 Uhr zu Beginn der Nachrichtensendung und dann noch einmal beim Übergang zur anschließenden Sendung. Ganz selbstverständlich benutzte man für das Attribut „umstrittener“ kein Anführungszeichen. Und dann wundern sich unsere Hauptmedien, dass ein paar wache Köpfe diese kaltblütige Propaganda nicht mehr mitmachen und auf den Foren der Meinungsbildungseliten Kritik üben. Offenbar haben die Hauptmacher der Propaganda nicht einmal mehr eine kleine Ahnung davon, wie eine demokratische Berichterstattung aussehen müsste. Selbstverständlich müsste über die Moskaureise eines griechischen Ministerpräsidenten ohne das zitierte Adjektiv berichtet werden und dann meinetwegen negativ kommentiert werden. Im konkreten Fall ist die unterschwellige negative Kommentierung auch die Folge der Kommentare, mit denen deutsche und ausländische, zum Beispiel ukrainische, Politiker den Besuch von Tsipras in Russland begleiten; ihr Grundtenor wird einfach in die Texte der Nachrichtensendungen übernommen.

PS. von kb:
Ich hatte es, glaube ich, schon einmal erwähnt. Ich habe während meiner Zeit  am Hessenkolleg in Kassel an einem Seminar über Medien und Manipulation durch Medien teilgenommen, und zwar in meiner Eigenschaft als Schüler-Zeitungs-Redakteur. Ein Detail erinnere ich noch, das mit Anführungszeichen zu tun hatte. Die Bild brachte ein Zitat von Ulbricht und setzte die drei Buchstaben DDR inmitten des Zitats in Anführungszeichen. Ulbricht hatte aber von der DDR ohne Anführungszeichen gesprochen.

Worauf Albrecht Müller hinweist, ist ein Sachverhalt, der mich schon seit langem stört. Wir sind in den 60ern in der Schule, es ging um Propagandatechniken der Nazis und wie es anders sein müsste, wir sind auf den Unterschied zwischen Nachricht und Kommentar aufmerksam gemacht worden.

Wenn es zunächst nur um die Nachricht ging, hätte es heißen müssen:

Besuch des griechischen Ministerpräsidenten in Moskau

Heutzutage aber hat sich der Kommentar bereits in die Nachricht eingeschlichen. Der Deutschlandfunk sendet seit längerem schon in umstrittener Form Nachrichten.