Ein Kommentar von Schandmäulchen

Nochmal langsam, damit ich es auch richtig verstehe: der Veranstalter hat den Überlebenden des Holocaust am Ort des schlimmsten Grauens ihres Lebens Essensmarken ausgehändigt, diese um die 90 Jahre alten Menschen nach ihrem Essen anstehen und dann auf nackten Holzbänken sitzen lassen? Und die „Nachkommen“ der NS-Verbrecher saßen auf gepolsterten Stühlen an fürstlich gedeckten Tischen und speisten mit feinem Besteck von Porzellantellern?

Spiegelt diese Situation nicht die Lagersituation von damals wieder? Hier die, die sich selber für den besseren Menschen halten, dort der Untermensch. In allem getrennt – sowohl räumlich als auch in der Behandlung.

Haben die Veranstalter auch nur die geringste Ahnung, was es für die Überlebenden bedeutet, an diesen Ort zurückzukehren, welchen Mut es erfordert und wieviel Schmerz es aufwühlt? Hätten Veranstalter wie geladene Politprominenz nicht ein Mindestmaß an Feingefühl und Anstand an den Tag legen können, ja müssen? Davon war zumindest dieser Teil der Veranstaltung weit entfernt, aber: an ihren Taten sind sie zu erkennen, nicht an ihren wohlfeilen Reden, wenn Kameras und Mikrofone auf sie gerichtet sind.

Es ist erschütternd, daß ein derartig erniedrigendes Verhalten heute in Deutschland noch immer oder schon wieder möglich ist. Aber ich bin wirklich froh, daß es junge Menschen gibt, die einen solchen widerwärtigen, die herrschende Kaste demaskierenden Skandal öffentlich machen und anprangern – die anwesende Politprominenz hat den Eklat ganz offensichtlich nicht einmal erkannt. Sonst hätten die Damen und Herren sich ja mit den Überlebenden an einen Tisch gesetzt.

http://www.welt.de/politik/deutschland/article140109991/Irritierende-Zwei-Klassen-Gesellschaft-in-Ravensbrueck.html

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