Beitrag: altautonomer

R@iner hat hier vor am 23.04.2015 den Dokumentationsfilm von Gaby Weber eingestellt. Er befasst sich unter anderem mit einer Romanze unter Jugendlichen. Sie, die Tocher von Übrlebenden. Er, der Sohn von Adolf Eichmann.
Zit. Weber: „Es ist ja die perfekte „erwünschte Geschichte“, nach der sich der Deutsche sehnt: nur neun Jahre nach Kriegsende himmeln ihn die jüdischen Mädchen wieder an.“

Auch heute ist die Sehnsucht nach einem Schlussstrich unter dieses Kapitel der deutschen Geschichte, immer wieder befeuert durch geschichtsrevisionistische Fernsehfilme wie „Dresden“, „Die Gustloff“, „Die Flucht“, „Die Krupps“ und „Unsere Mütter, unsere Väter“ größer denn je. Es besteht die Gefahr, dass der Opferdiskurs auf ein unrühmliches Ende hinausläuft: Die Mehrheit der Deutschen lehnte den Nationalsozialsmus ab und war als Manipulationsmasse dessen Opfer.

Und nun ist es anscheinend an der Zeit, in der sogar Überlebende des Holocaust mit den Tätern öffentlich Nachsicht üben und für deren Straffreiheit plädieren. Die Rede ist von der noch lebenden Zwillingsschmester Eva Mozes Kor, die den bestialischen Experimenten von Josef Mengele ausgeliefert war und die nun im Gerichtssaal den der Beihilfe zum 300.000-fachen Mord angeklagten Täter Gröning öffentlich die Hand zu Versöhnung reichte. Dieses Ereignis wurde medial intensiv ausgeschlachtet. Frau Kor sagte in der letzten Sendung bei Jauch auch, dass die Opfer nicht zu Tätern werden sollten und die Täter auch Opfer seien. Das hat wie zu erwarten zu heller Empörung bei den anderen Nebenklägerinnen geführt.

Aus Sicht der 49 anderen Nebenkläger rehabilitiert die Holocaust-Überlebende Eva Mozes Kor den angeklagten Gröning durch solche Aussagen und ihre Gesten am Rande des Prozesses im Alleingang. Das kritisieren sie in einer gemeinsamen Pressemitteilung, die die beiden Anwälte Thomas Walther und Cornelius Nestler am Montag öffentlich gemacht haben.

Es ist schon erstaunlich, dass Überlebende mit ihren nie enden wollenden Albträumen über das Geschehene überhaupt die Kraft haben, wieder deutschen Boden zu betreten, die Sprache der Schlächter zu hören und sogar noch mit den Tätern direkt konfrontiert zu werden. Insofern ist es mir ein Rätsel, wie Frau Kor diesem Massenmörder vergeben kann, zumal der Angeklagte nur halbherzig bereut und dabei immer wieder in die Sprache des Herrenmenschen zurückfällt, wie die SPIEGEL-Journalistin Gisela Friedrichsen zu berichten weiss.

Es ist nicht anzunehmen, dass sich aus diesem durchaus legitimen Umgang einer einzelnen Überlebenden mit dem Leid ein Trend entwickelt, der darin mündet, dass sich die Juden demnächst bei den Deutschen für Auschwitz entschuldigen.

Mehr dazu einschließlich der Erklärung der Nebenklägerinnen hier:

https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/lueneburg_heide_unterelbe/Auschwitz-Prozess-Darf-man-Groening-vergeben,auschwitzprozess110.html

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