Ein sehr umfangreiches Thema, dass vermutlich bis in die Anfänge der Menschheit zurückreicht. Der Dialektik der Aufklärung zufolge war Kausalität schon in magischen Riten wirksam. Horkheimer/Adorno nennen die Magie eine Art eingebildeter Kausalität, während die Aufklärung Einbildung durch Wissen ersetzen wollte. Ein Aphorismus von Lichtenberg veranschaulicht diese Hinwendung zur tatsächlichen Kausalität:

Dass in den Kirchen gebetet wird, macht die Blitzableiter auf ihnen nicht überflüssig.

Lichtenberg nimmt damit andeutungsweise die Dominanz naturwissenschaftlichen Kausalitätsdenken im 19. und 20. Jahrhundert vorweg.

Auf Kausalität, sprich auf die Wechselwirkung im Handeln zwischen Menschen weisen im 18. Jahrhundert unter anderem Hegel und Schiller hin.

Verbrecher beispielsweise sind nicht Verbrecher an sich, sondern an ihrem bösen und mitunter verzweifeltem Tun sind gesellschaftliche Bedingungen, also das Verhalten anderer mitschuldig. Es gibt das Böse nicht nur als Gegensatz zum Legalen, sondern es gibt das Böse auch innerhalb der Grenzen des Legalen. Wenn die legalisierten oder legalen Übeltäter andere in die Enge drängen, wenn sie andere demütigen bis zum Geht-immer-noch-ein-bisschen mehr, dann dürften sie sich eigentlich nicht wundern, wenn die Gedemütigten gewalttätig werden. Das Böse im Gewand der Legalität spaltet seinen Schulanteil an Gewaltakten anderer von sich ab, und knüppelt auf die anderen ein. So ähnlich hat das wohl auch Martin Luther King gesehen, als er sagte:

11182334_967211576644789_3164897686844469769_nPS.: Ich habe obigen Gedankengang etwas vereinfacht, um das Schema der Abspaltung zu verdeutlichen: Die Übeltäter, die im Gesetz stehen, verursachen üble, nicht gesetzeskonforme Taten. Bestraft wird aber nur und lediglich der nicht Gesetzeskonforme. Wer sich nicht alles gefallen läßt und zurückschlägt, ist dann der Dumme.

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