kassel lokführer heizer 2.800

Die Presseschau heute früh im Deutschlandfunk hat hinsichtlich der Kommentare in den Zeitungen darauf verzichtet, eine Gegenstimme zu präsentieren. Alle Kommentare waren gegen die Gewerkschaft der Lokführer gerichtet. Ich habe vor wenigen Minuten ein Gegenstück zur Mainstreampresse gefunden. Wo? In der taz:

http://taz.de/!159292/

Und auf dem Blog von Egon W. Kreutzer:

http://www.egon-w-kreutzer.de/002/tk150504.html

Und noch aktuell ist folgende Meldung aus dem Handelsblatt:

Bahnvorstand verdoppelt seine Erfolsprämien von zirka 3,5 Million im Jahr auf 7 Millionen:

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/trotz-schlechtem-jahr-bahn-vorstaende-verdoppeln-ihre-erfolgspraemien/11524652.html

Nachdenkseiten:

Bahnstreik
Stoppt den Bahnsinn!

.
[…] Wenn es eines Beweises bedurft hätte, dass es ein Tarifeinheitsgesetz braucht, um die zügellosen Auswüchse machtverliebter Einzelgewerkschafter zu regulieren, dann ist es dieser neue Streik.
Quelle: BILD

.
Anmerkung JB: Interessant ist, dass der BILD-Kommentator und ehemalige Regierungssprecher von Schröder Béla Anda hier einen Kernpunkt anspricht, den man zum Verständnis des Eisenbahnerstreiks im Auge behalten muss. Natürlich wird der Streik durch die Medien als stärkstes Argument für ein Tarifeinheitsgesetz ins Feld geführt. Und nun überlegen Sie einmal, wem die Deutsche Bahn AG gehört? Die DB AG ist eine 100% Tochter des Bundes. Das Management der DB AG agiert also im direkten Auftrag der Vertreter des Bundes, die hier die Kapitalseite stellen. Kann es da wirklich überraschen, dass die DB AG sich derart quer stellt und Forderungen der GDL, die bei nüchterner Betrachtung vollkommen gerechtfertigt sind, noch nicht einmal diskutieren will und damit(!) eine weitere Eskalation herbeiführt? Nicht die GDL, sondern die Bundesregierung will hier ein Exempel statuieren, um den Weg zum Tarifeinheitsgesetz zu bereiten. Und die Medien spielen dieses Spiel nicht nur mit … sie sind durch ihre grotesk einseitige Interpretation des Arbeitskampfs sogar die eigentlichen Fußsoldaten in dieser PR-Schlacht für ein Gesetz, das die Koalitionsfreiheit in Deutschland massiv beschädigen wird.

Quelle: Nachdenkseiten von heute.

.

Siewurdengelesen schreibt in den Anmerkungen hier (ich übernehme das in den Hauptbeitrag):

Neutrale Medien und Berichte sind in den meisten Fällen Fehlanzeige. Stattdessen wird der Sermon von Wirtschaft etcpp. wiedergekäut und wie schlimm das alles ist. So ist das eben, wenn Medien am langen Arm durch Politik und die Vertreter der ‘Wirtschaft’ bestimmt werden.

Warum blubbert man z.B. nur die 4,7% und 1000€ Einmalzahlung daher und ‘vergißt’ dabei die anderen Dinge:

– Sukzessives Absenken der Arbeitszeit von 39 auf 37 Stunden
– Reduzieren der Überstunden durch Festlegen einer Obergrenze
– Dienstpläne, die wenigstens einigermaßen den Verlust an Familienleben durch die Schichtarbeit kompensieren
– Anpassen der anderen Berufsgruppen in einem Flächentarif, der ja zu dem der EVG durchaus identisch sein kann, aber eben nicht in diesen eingebunden ist

Dann wird dargestellt, dass sich die GDL an den Lokrangierführern festbeißt. Die umgekehrte Sicht, daß sich die DB AG über diesen Aufhänger aus den Tarifgesprächen ausgeklinkt hat, wird nicht einmal erwägt, dazumal nach den gemachten Aussagen bisher außer Absichts- und Positionspapieren keine tatsächlichen Ergebnisse existieren.
Ich unterstelle der GDL jetzt nicht nur hehre Ziele und klar geht es auch um (Vor)-Macht bei Mitgliedern usw. Der Hauptgrund des Taktierens ist trotzdem das Gesetz zur Tarifeinheit und damit das Aussitzen der Verhandlungen bis zu dessen Inkrafttreten. Die scheinbar tollen Zahlen der Angebote sind nur mediales Blendwerk.
Da wird ein Livestream der Pressekonferenz mittendrin abgebrochen, bescheuerte Umfragen im Netz gestartet, bei denen jeder Honk seinen Hass durch den Klickedieklick-Finger abreagiert wie bei den Shitstorms und keine annähernd repräsentative Ergebnisse zu erwarten sind.

Und so nebenher vergessen die unabhängigen Medien wie immer, die Betroffenen mal selber zu fragen, nämlich die Lokführer, Zugbegleiter und anderen Mitarbeiter der Bahn. Aber das ist auch nichts Neues, das könnte der Aussage einen anderen und damit unerwünschten Inhalt geben…
.

Sabine Leidig, verkehrspolitische Sprecherin der LINKEN, schreibt in ihrer Presseerklärung:

Auf den Schienen wird unser Streikrecht verteidigt
Es geht bei diesem Streik der GDL nicht nur um die Lokführer und ihre Gewerkschaft, sondern um unser aller, durch die Verfassung geschütztes Recht als abhängig Beschäftigte, für unsere Forderungen auf die Straße zu gehen und die Arbeit niederzulegen. Morgen wird erneut im Personenverkehr bei der Deutschen Bahn gestreikt, nachdem die Lokführerinnen und Lokführer bereits mehrmals tageweise ihre Arbeit niedergelegt haben. Sie nehmen damit ihr grundgesetzlich geschütztes Recht auf Streik wahr, denn nach vielen Monaten Tarifauseinandersetzung und vielen Verhandlungsrunden bewegt sich die Deutsche Bahn als Arbeitgeber noch immer kaum einen Meter.

Die Gewerkschaft GdL möchte ihre Tarifstruktur ändern und weitere Berufsfelder innerhalb des Bahnkonzerns vertreten. Das ist neben der geforderten Lohnerhöhung und niedriger Arbeitszeit auch Teil der Tarifverhandlungen und völlig normal, wenn Gewerkschaften zukunftssichere Interessenvertretungen für ihre Mitglieder gewährleisten wollen. Daran hat der Bahnkonzern als Arbeitgeber aber kein großes Interesse.

Es sind schwierige Tarifverhandlungen, die seit fast einem Jahr das ganze Land beschäftigen. Man fragt sich, warum sich die GdL das jetzt antut. Der Grund ist beschämend und wieder einmal in den Reihen der Großen Koalition zu finden. Durch das geplante Tarifeinheitsgesetz, welches im Sommer dieses Jahr in Kraft tritt, soll kleinen Gewerkschaften der Saft abgedreht werden. Ihnen wird das Recht auf Streik entzogen und sie sind somit weniger schlagkräftig als größere Gewerkschaften. Kein Beschäftigter, der bei Verstand ist, würde sich von einer Gewerkschaft im Tarifkampf vertreten lassen, die für ihre Forderungen nicht die Arbeit niederlegen darf. Und genau das ist die Strategie, die sich die Arbeitgeberseite zurechtgelegt hat – nur noch drei Monate Mikado spielen und dann hat sich der Tarifstreit mit der GdL erledigt und die Beschäftigten gehen leer aus. Das sind, gelinde gesagt, Verhandlungen mit unlauteren Mitteln, denn anstatt die Tarifautonomie ernst zu nehmen wird sie mit aktiver Unterstützung von CDU/CSU und SPD hintertrieben.

Anstatt die Stärkung der Beschäftigten in Tarifauseinandersetzungen ihren Gewerkschaften zu überlassen, wird den kleinen Gewerkschaften und ihren Beschäftigten von der Politik ein existenzbedrohendes Theater und den Menschen, die auf die Bahn angewiesen sind, Verspätungen und Zugausfälle zugemutet. Anstatt Arbeitgeber beispielsweise endlich gesetzlich dazu zu zwingen, Tarifverträge, die für ihre Branche ausgehandelt wurden, auch zu übernehmen, wird lieber das Streikrecht eingeschränkt. Oder einfach ausgedrückt: Anstatt einmal Arbeitnehmerrechte zu stärken, wird den Arbeitgebern von der Bundesregierung ein weiteres Werkzeug zur Durchsetzung ihrer Interessen geschenkt.

Mit Volldampf für das Streikrecht! So langsam geht auch dem wirtschaftsloyalsten Journalisten ein Licht auf, dass der Bahnkonzern genau aus diesem Grund so auf Zeit spielt. Einfach warten, bis die Parteikollegen bei SPD und CDU/CSU das Problem für einen lösen. Diesen beispiellosen Vorgang zu stoppen ist nicht nur eine Aufgabe der Opposition im Bundestag oder der betroffenen Gewerkschaften. Es ist die Aufgabe der Interessenvertretungen aller Beschäftigten und auch der Beschäftigten selbst. Wir alle müssen uns klarmachen, dass es bei diesem Streik nicht nur um die Lokführer und ihre Gewerkschaft geht, sondern um unser aller, durch die Verfassung geschütztes Recht als abhängig Beschäftigte, für unsere Forderungen auf die Straße zu gehen und unsere Arbeit niederzulegen.

Aus diesem Grund sollten wir uns solidarisch mit den Streikenden bei der Bahn zeigen und dem Tarifeinheitsgesetz eine klare Absage erteilen.

Mehr Meinungen und Argumente „pro-GDL-Streik“ finden sich hier: Streikzeitung: http://pro-gdl-streik14.de/ http://pro-gdl-streik14.de/wp-content/uploads/2015/02/StreikZeit04-END.pdf

.

Und HG Butzko meint:

An alle, die jetzt wegen das Bahnstreikes mal wieder „Unverständnis“, „Wut“, und „Schnauze voll“ von Claus Weselsky haben, wir wärs wenn Ihr Euch mal über diesen Herrn hier aufregt:

http://www.deutschebahn.com/de/konzern/konzernprofil/vorstand/2190948/personal.html?start=0

Plötzlich stehen die Räder still:

bahnhof

Advertisements