kinderarbeit

 

Heute in den Nachrichten vom Deutschlandfunk:

Studie sieht alarmierende Kinderarmut und unzureichende Hilfen

Jedes fünfte Kind unter 15 Jahren in Deutschland ist armutsgefährdet. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung, die in Gütersloh veröffentlicht wurde. Demnach wachsen 2,1 Millionen Jungen und Mädchen unterhalb der Armutsgrenze auf, rund 480.000 weitere knapp darüber. – Eine vierköpfige Familie gilt in Deutschland als armutsgefährdet, wenn sie weniger als 1.873 Euro im Monat zur Verfügung hat. Die Studie kritisiert, die finanziellen Hilfen des Staates gingen am tatsächlichen Bedarf vorbei und fingen die Armut nur unzureichend auf. Die betroffenen Kinder seien materiell unterversorgt und sozial und kulturell benachteiligt. Die Bertelsmann-Stiftung will sich nun dafür einsetzen, das Existenzminimum für Kinder zu überprüfen und die staatliche Grundsicherung anzupassen.

Anmerkung (kb): Ich hatte vor Jahren hier auf dem Blog den Unterschied zwischen einem Sein und der Gefährdung dieses Seins schon einmal deutlich gemacht. Wer einen Weg am Hang eines Berges geht, einen Weg, der brüchig ist, unterliegt der Gefahr abzurutschen, wenn der Boden unter ihm wegbricht. Wer diesen Weg geht, lebt mit einem Risiko, ist aber nicht als abgestürzt zu bezeichnen. Wer unten schon aufgeschlagen hat, ist nicht mehr gefährdet, da ist der Ernstfall schon eingetreten.

Armutsgefährdet ist auch ein Millionär, der mit Aktien spekuliert. Oder einer am Roulettetisch, der beispielsweise alles auf Zero setzt.

Gefährdet sind wir alle, Leben ist immer irgendwie gefährdet. Der Einkommensmillionär wie Michael Schumacher ebenso wie ein Rentner, der die Treppe hinunterfällt.

Das Attribut „armutsgefährdet“ ist im Kontext der Debatte über reale Armut ein Euphemismus, denn es wird suggeriert, dass der Ernstfall ist noch gar nicht eingetreten ist.

Es wird ja immer wieder gesagt, dass Sprache entlarvt, weil man mit ihr nur unzureichend Unrecht, Barbarei und Herrenmenschen-Gesinnung verbergen kann. Als Hartz-IV in Kraft trat und es kritisiert wurde, wollte die Regierung unter Schröder ein Optimierungs-Gesetz erlassen. Das Schlechte, Grausame, Menschenverachtende kann man aber nicht optimieren, es sei denn, man wäre ein Nachfahre von Eichmann oder dieser selbst.

Die Nachricht des Deutschlandsfunks über die Bertelsmann-Studie wechselt bezeichnenderweise zwischen arm und armutsgefährdet, sie changiert zwischen diesen beiden Attributen: 2,1 Millionen Kinder wachsen unterhalb der Armutsgrenze auf, jedes fünfte Kind ist armutsgefährdet.

Eine vierköpfige Familie gilt als gefährdet, wenn sie weniger ….

Wenn es also eine Grenze gibt, und man unterhalb der Grenze lebt, ist man nicht mehr armutsgefährdet, sondern dann ist man arm.

Wenn der Staat die Armut nur unzureichend auffängt und wenn die betroffenen Kinder unterversorgt sind, sind sie bereits arm und nicht bloß armutsgefährdet.

Ich frage mich, warum der Text über die Bertelsmann-Studie so hin- und herschwankt. Es ist, als wolle man sagen, wie es ist, und dann es doch lieber wieder mit dem Mäntelchen zudecken, das da heißt: So schlimm ist es nun auch wieder nicht.

https://lutzhausstein.wordpress.com/

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