Er starb infolge einer Darmoperation. 2010 schrieb ich hier auf dem Blog:

Ich liebe die Kommentare von Orlando Pascheit auf den Nachdenkseiten

Anlass dieser Äußerung war eine Kritik an Sarkozy:

Brandstifter Sarkozy Es passiert nicht alle Tage, dass der Papst und Fidel Castro an einem Strang ziehen. Doch soeben ist dies mit Blick auf die französische Anti-Roma-Politik geschehen – wenngleich sich die gemeinsame Kritik in Ton und Ausmaß dann doch ziemlich unterschied: So kryptisch Papst Benedikt XVI. die französische Politik dazu aufforderte, „die Menschheit in ihrer Diversität aufzunehmen“, so überzogen warnte der alternde Castro Sarkozy vor einem „neuen rassistischen Holocaust“.

Quelle: Blätter für deutsche und internationale Politik

Anmerkung Orlando Pascheit: Allmählich kommt in Europa die Ausgrenzungshetze auf Touren: Arbeitsscheue Hartz-IV-Bezieher, muslimische Volksverderber, kriminelle Zigeuner bevölkern wieder das Land. Politische und ökonomische Eliten greifen wieder zu altbewährten Mitteln und schlachten Sündenböcke ab, um von ihrem Versagen abzulenken. Schande über Europa, das sich von dieser Klasse instrumentalisieren und ausbeuten lässt!

Quelle: Nachdenkseiten

Ich bin traurig.

 

Hier noch ein weiterer Kommentar von Orlando Pascheit. Zunächst aber der Text, den er kommentiert:

>>Armes Amerika
Die USA sind nach wie vor das reichste Land mit der grössten Volkswirtschaft. Rund ein Viertel aller Güter und Dienstleistungen weltweit werden von amerikanischen Konsumenten in Anspruch genommen. Gleichzeitig tragen die USA aber zunehmend Züge eines Drittweltlands. 15 Prozent der Bevölkerung – rund 50 Millionen Menschen, 13 Millionen von ihnen Kinder – leben an der Armutsgrenze und sind auf die karge Sozialhilfe angewiesen. Diese kommt meist in Form von Food Stamps daher: Lebensmittelmarken. Die Arbeitslosenunterstützung wird laufend gekürzt. Rund 1,3 Millionen Arbeitslose sind Ende 2013 ausgesteuert worden, etwa 1 Million wird es Mitte 2014 treffen. Obwohl die Wirtschaft wieder wächst, verharrt die Arbeitslosigkeit bei 7 Prozent. Ein Grossteil des amerikanischen Mittelstands verdient heute weniger als vor der grossen Krise 2008. Wer seinen Lebensunterhalt in einem Fast-Food-Restaurant oder hinter einer Warenhauskasse verdient, hat grösste Mühe, sich finanziell über Wasser zu halten. Inflationsbereinigt sind die Löhne dieser Angestellten seit den 70er-Jahren um rund ein Drittel gefallen. Auch immer mehr von ihnen greifen – trotz einer festen Arbeit – auf Food Stamps und Medicaid zurück, um ihren Familien einen minimalen Standard zu sichern. Selbst ein kräftiger Wirtschaftsaufschwung dürfte an diesen Zuständen wenig ändern. «Auch wenn die Rezession vorbei ist, werden die guten Mittelstandsjobs nicht zurückkehren», konstatiert der Ökonom Tyler Cowen in seinem aktuellen Kultbuch «Average Is Over» (Mittelmass ist vorbei). Cowen ist alles andere als ein linker Aktivist, er bezeichnet sich selbst als Konservativer und Marktliberaler. Trotzdem beschreibt er die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt schonungslos. «Wahrscheinlich werden Zonen entstehen, die Mexiko oder Brasilien gleichen, allerdings mit mehr technischen Spielzeugen und mit mehr Sicherheit», mutmasst Cowen. Überspitzt ausgedrückt: Die USA werden eine moderne Aristokratie mit einem neuen Geldadel; und die künftige Marie Antoinette wird auf die Forderung nach mehr Brot nicht mehr antworten, «dann esst halt Kuchen», sondern: «Lasst sie Internet schauen.» Wird der amerikanische Mittelstand seinen Niedergang kampflos hinnehmen? Ohne Aufstände oder gar eine Revolution? Cowen winkt ab: «Ich erwarte eine Gesellschaft, die konservativer sein wird, insbesondere politisch.» Aufruhr wie in den 60er-Jahren sei unwahrscheinlich. Stattdessen würden sich die Menschen vermehrt wieder auf lokale Gemeinschaften zurückziehen und auf diesem Weg versuchen, sich vor wirtschaftlicher Unsicherheit zu schützen. «Wir werden zusehen, wie die Einkommen vieler Arbeitnehmer weiter sinken werden und eine neue Unterschicht entsteht», sagt Cowen. «Wir können diesen Prozess schlicht nicht stoppen. Und trotzdem wird es eine seltsam friedliche Zeit werden, mit einer älter werdenden Bevölkerung und viel billigem Vergnügen.

»
Quelle: Tages-Anzeiger

Anmerkung Orlando Pascheit: Cowen dürfte wohl recht behalten. Die USA eignen sich nicht für eine Revolution. Denn die US-Plutokratie lebt anscheinend von der Vorstellung, dass Reichtum den begnadeten Menschen auszeichnet. Jeder, der sich nur genügend bemüht, kann diesen Gnadenstand erfahren. Genauso wie Lloyd Blankfein, Chief Executive Officer (CEO ) und Präsident von Goldman Sachs 2009 in einem Interview voller Überzeugung meinte, seine Firma „is doing God’ s work”, sich also in der “Gnadengewissheit” Gottes sieht, hat sich derjenige, der bettelarm bleibt, nicht genügend um die Gnadengewissheit bemüht.
Den USA fehlt die europäische Urerfahrung, das Abtrennen eines Kopfes von Gottes Gnaden vom Rumpfe, das Bewusstsein, dass es einen adligen Stand gibt, der “sich nicht in die Gesellschaftsorganisation einfügt; daß er wohl eine Last für die Nation sein kann, nicht aber einen Teil von ihr zu bilden vermag” (Abbé Sieyès 1789). In der Überwindung, einen gesalbten Kopf abzuschlagen, liegt die zentrale Bemühung der Französischen Revolution, die bestehende gesellschaftliche Ordnung nicht als eine göttliche Ordnung, sondern von Menschen gemachte, menschlichen Interessen dienende Ordnung zu sehen. Es könnte dem amerikanischen Volk nicht schaden, sich davon zu lösen, seine Plutokraten als begnadete Reiche zu bewundern, sondern sich der europäischen Tugenden von 1793 zu besinnen.<<

 

Ergänzung von mir (kb): Der Kommentar von Orlando Pascheit passt bestens zu dem, was Ross Macdonald in seinen Romanen schreibt. In einer der Lew-Archer-Novels heißt es:

„I was one of the choosen.“

Archer, der Privat-Detektiv, sucht einen sehr wohlhabenden Rechtsanwalt in dessen Office auf. Der Anwalt hat sein Büro im oberen Stockwerk eines luxuriösen Gebäudes. Archer betritt dieses Gebäude, geht zum Fahrstuhl, der ebenfalls luxuriös ist, und er wird weich und sanft und lautlos nach oben getragen.
Archer: „Für einen Augenblick war auch ich einer der Auserwählten.“ „I was one of the choosen.“
Früher, ganz früher, zum Beispiel in Zeiten der Kreuzzüge, führte man Kriege im Namen Gottes. Man tötete durch Berufung auf die allerhöchste Autorität. Man gehörte zu den Auserwählten.
Heute sind die Finanzhaie im Auftrag des Herrn unterwegs.

Jedenfalls meinen das welche in den USA.

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