Ich zitiere diese Pressekommentare zur Ergänzung des Kommentars von Jens Berger:

Die ungarische Tageszeitung MAGYAR NEMZET geht auf die Situation in Budapest ein: „Warum ist es nicht möglich, die Flüchtlinge menschlich, zivilisiert und mit europäischer Höflichkeit zu behandeln, die weder unsere Arbeitsplätze wegnehmen noch länger in Ungarn bleiben wollen? Angesichts der Lage am Budapester Ostbahnhof kommt die Frage auf, ob der Staat überhaupt funktionsfähig ist. Wenn es schon so schwer ist, mit etwa 2.000 Menschen angemessen umzugehen, sie zu informieren und zu bremsen – wie soll dann erst die Absperrung der ungarischen Südgrenze funktionieren“, fragt MAGYAR NEMZET.

Der schweizerische TAGES-ANZEIGER schreibt zum Umgang mit den Flüchtlingen: „Ungarn hat die Pflicht, die Außengrenze der Europäischen Union zu schützen, Ungarn kann auch von Brüssel mehr Geld fordern. Aber all das darf eine Regierung, die Sicherheitskräfte und das Bahnpersonal nicht daran hindern, Kriegsflüchtlinge mit einem Minimum an Würde zu behandeln. Das ist keine Frage des Geldes, das kann keine Frage der Organisation sein. Wer elementare Hilfe verweigert und stattdessen Flüchtlinge politisch missbraucht, wer ihnen verspricht, sie könnten ausreisen, und sie in einen Zug lockt, nur um sie dann in ein Übergangslager zu bringen, wer den Zug mit Kindern stundenlang in brütender Hitze stehen lässt, wer jede Information verweigert und stattdessen bei den eigenen Wählern gegen Menschen in Not auch noch hetzt und sie als Bedrohung der eigenen Kultur diffamiert, der handelt nicht wie ein Christ und nicht wie ein Mensch. Der handelt wie ein Zyniker.“ Das war der TAGES-ANZEIGER aus Zürich.

DER STANDARD aus Wien bemängelt: „Ungarn legt eine erschreckende Inkompetenz an den Tag. Doch statt Fehler einzugestehen, nutzt Regierungschef Orban seit Wochen das Flüchtlingschaos, um die ohnehin schon nationalistische und ausländerfeindliche Stimmung mit Worten und Taten weiter anzuheizen und so auch gegen innenpolitische Gegner zu punkten. Dass ungarische Regierungsvertreter verkünden, sie können aus kulturellen Gründen keine Muslime aufnehmen, und Orban den gesamten Flüchtlingsstrom zum ‚deutschen Problem‘ erklärt, weil sie dort anständig behandelt werden, macht deutlich, wie wenig der Fidesz-Chef von den Grundwerten jener Union hält, zu der sein Land gehört. Dafür, und nicht für den Bau des Grenzzauns, gehört Orban kritisiert“, betont der österreichische STANDARD.