Anmerkungen zu Cesare Pavese

Ich habe heute meinen Radioessay endlich scannen lassen (Texterkennung), er war auf den Festplatten verloren gegangen, ich hatte nur noch das Radiomanuskript.

SPRECHER (Klaus Baum): Das erste, was ich von Cesare Pavese gelesen habe, war sein Tagebuch: Das Handwerk des Lebens. Mich interessierten damals, zehn Jahre ist das nun her, lediglich die darin befindlichen Notizen über Liebe und Eifersucht, und mit Ungeduld las ich über jene Passagen hin­weg, in denen er sich mit seiner Dichtungstheorie und dem Mythos be­schäftigt.

Mich beeindruckte die Offenheit und Aufrichtigkeit, mit denen Pavese, na­hezu selbstquälerisch, die eigene Person reflektiert, seine Sehnsucht nach einer erfüllten Beziehung, die Unfähigkeit, eine solche Beziehung zu reali­sieren, und sein daraus resultierendes Leiden an der Einsamkeit, am Al­leinsein. Von seiner schonungslosen Art, sich als bedürftigen Menschen darzustellen, der nach der Nähe einer Frau hungert, und der aus Ver­zweiflung immer wieder an Selbstmord denkt, von dieser schonungslosen Offenheit ging für mich damals etwas Tröstendes aus, so, als spräche Pa­vese zu mir selbst, als einer, der sich mir anvertraut und der, weil er sich nicht maskiert, seinem Leser ermöglicht, sich mit seinen Nöten solidarisch zu fühlen.

Cesare Pavese, geboren 1908 in Santo Stefano Belbo auf einem Bauern­gut, blieb in seinen literarischen Arbeiten stets der Landschaft des Pie-mont verbunden, den Hügeln der Langhe; das Dorf als Lebensraum spielt in den Romanen und Erzählungen des Cesare Pavese eine große Rolle, doch ebenso die Stadt, vor allem Turin, die Hauptstadt des Piemont, wo er zur Schule ging, studierte und nach seinem Studium überwiegend als Lektor für den Verlag Einaudi arbeitete. Am 26. August 1950, vierzehn Tage vor seinem zweiundvierzigsten Geburtstag, packte Pavese, der in Turin mit seiner Schwester und ihrer Familie zusammenwohnte, einen Koffer, gab vor, verreisen zu wollen; doch statt einen Zug zu nehmen, mietete er sich gegenüber dem Bahnhof im Hotel Roma ein Zimmer. Am Abend des nächsten Tages fand ihn ein Angestellter des Hotels tot auf dem Bett liegend. Pavese hatte eine Überdosis Schlaftabletten genom­men. Wenige Wochen zuvor hatte er den bedeutendsten italienischen Li­teraturpreis, den >Premio Strega< erhalten, hatte das entscheidende Ziel seines Lebens erreicht, als Schriftsteller anerkannt zu werden. Die letzte Eintragung in seinem Tagebuch stammt vom 18. August 1950. Er notiert sechs Tage vor seinem Tod:

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