Ein Nachruf von Frank Benedikt:

„Einer von uns“, das war er tatsächlich, der Ralf. Als „Totschka“ war er manch BlogleserIn bekannt und sein Blog hat er über die Jahre kontinuierlich geführt. Jetzt ging er unerwartet von uns*.

Nach Kurt aka „Roger Beathacker“ verliere ich nun schon den zweiten Blogger-Freund. Und ja – ich nehme es ‚persönlich‘. ICH fühle mich ‚angepisst‘, weil immer die Guten zuerst gehen! Ralf wie Kurt lernte ich einst zur Bundestagswahl 2009 kennen, als ich mir „100 Blogs für Die Linke“ ausdachte. Da kamen dann viele Menschen zusammen, unter anderem Kurt und später auch Ralf.

Kurt war Berliner durch und durch, Leser, Denker, Philosoph, Fahrradfahrer und Drummer. Ralf war Thüringer, ‚vom Bein weg‘, las, hörte, dachte und war – wie Kurt – ein liebender Vater und Ehemann. „Unterschiede“ gab es trotzdem immer und das macht es ja so ‚reizvoll‘.

„Totschka“ benannte sich nach einem sowjetischen Kurzstreckenrakentensystem, da er einst Hauptmann bei der NVA war. Als im „Deutschen Herbst“ 1989 der Alarmbefehl zum ‚Ausrücken‘ kam, blieben er und seine Kompanie (nach demokratischer Abstimmung) in der Kaserne. Andere NVA-Einheiten scheinen es, wie Ralf mir erzählte, ebenso gehalten zu haben. Damit ist es wohl der Besonnenheit von Menschen wie Ralf zu danken, daß es nicht doch noch zu einem Blutbad kam.

Später war „Totschka“ dann im Rahmen des ‚Kapitalismus‘ unterwegs, da keiner mehr für aufmüpfige Offiziere was übrig hatte. Lag es am „Zwanzigsten Juli“? Selber traf ich ihn zuerst via Mail, dann per Skype in Singapur, wohin ihn seine Firma entsandte. Zwischen Arbeit und Familie war dank der Zeitverschiebung immer ein Lag und viel schlafen konnte Ralf dort wohl eh nicht. Seine Blogposts zur asiatischen Küche waren sein ‚Auftakt‘, später wurde er dann ‚politisch‘ und dann fast nur noch ein Verfechter von „Open Source“.

Selber haben wir oft miteinander gesprochen, manche Nacht via Skype durchgemacht, und dankenswerterweise kam er einfach mal für einen Tag ‚rüber‘, brachte ein Kilo Thüringer Bratwürste von seinen Hausmetzger, einen Kasten Bier und gute Laune mit und wir haben uns zu zweit einen wundervollen Sommerabend auf dem Balkon gemacht. Da war keine Spur von „Ostalgie“, auch keine von „Revanchismus“ oder verdecktem „Neonazitum“. Im Gegensatz zu vielen war „Totschka“ einfach nur ein Mensch und ich werde ihn vermissen.

F.B.

*[Anm. d. A.: Ralf fiel einfach tot vom Fahrrad. Er war gerade mal Anfang 50.]