Eine neue Redewendung kann ab heute dem Neusprech der Neuliberalen hinzugefügt werden. Grundlage ist das Massaker in Orlando. Vom Täter, dem Killer, heißt es:

Der Täter hat sich selbst radikalisiert.

Diese sprachliche Verrenkung stammt allerdings nicht von Schiller und auch nicht von Kleist, denn dann wäre es ja keine neue Redewendung.

(Schiller und Kleist zeigen allerdings auf, dass der Verbrecher aus verlorener Ehre und Michael Kohlhaas Produkte der Gesellschaft ihrer Zeit waren.)

DLF gestern 12 Uhr:

Orlando Ermittlungen über Tatmotiv dauern an

Nach dem Überfall auf eine Homosexuellen-Bar in Orlando mit 50
Toten suchen die US-Ermittler weiter nach dem Motiv des
Schützen. Demnach gibt es derzeit keine Beweise, dass der
29-Jährige direkt im Auftrag des IS gehandelt hat. Es wird aber
nicht ausgeschlossen, dass er sich selbst radikalisiert hat.
Nach Angaben der Bundespolizei FBI hatte er kurz vor dem
Überfall auf den Nachtclub bei der Polizei angerufen und sich
zum IS bekannt. Der Radiosender „Al Bajan“, der als offizielles
Organ der Dschihadisten gilt, meldete heute, der Attentäter sei
ein Kämpfer der Terrormiliz gewesen. Es werden aber keine
Angaben gemacht, ob es sich um einen von der Führungsebene
geplanten Anschlag handelte. Das FBI hatte den Attentäter 2013
und 2014 im Visier, unter anderem wegen einer Verbindung zu
einem amerikanischen Selbstmordattentäter in Syrien. Der
Kontakt sei jedoch nicht als Bedrohung eingestuft worden. Die
Familie des Angreifers geht eher von einem Hassverbrechen gegen
Homosexuelle aus und beschreibt den Mann als nicht besonders
religiös.