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 Jutta Winkelmann (Jugendfoto), die ihre Krebserkrankung öffentlich gemacht hat, nimmt gegen ihre Schmerzen Haschisch-Öl. Und sie sagt, die sollten sich mal zur Legalisierung durchringen …..

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Für Anhänger von medizinischem Cannabis und vielen betroffenen Patienten scheint ein großer Coup in der Politik und im Recht gelungen zu sein: erstmals darf ein schwer kranker Mann sein eigenes, medizinisches Cannabis anbauen, weil ihm keine andere Therapiemöglichkeiten mehr gewährt sind und alle Möglichkeiten ausgeschöpft wurden. Er darf selbst seine Hanfsamen kaufen und seine Pflanzen züchten, um so kostengünstig wie möglich an seine schmerzlindernde Medizin zu kommen.

Zu diesem Urteil hin führte ein langer, juristischer Weg. Der MS-kranke Mann hatte bereits in Köln geklagt. Das Gericht entschied 2014, dass Schwerkranke das illegale Cannabis zu medizinischen Zwecken selbst anbauen dürfen. Allerdings ging das Bundesinstitut für Arzneimittel daraufhin in Berufung, mit der Begründung, dass Cannabis aus dem Eigenanbau qualitativ schlechter als aus der Apotheke sei. Man hätte keine Kontrolle darüber, wie viel von dem Wirkstoff THC in einem Joint sei.

Das Apotheken-Cannabis ist jedoch teuer. Ein Gramm kostet ca. 15 bis 18 Euro, und die Patienten müssen das selbst bezahlen. Bisher dürfen in Deutschland einige hundert Menschen mit einer offiziellen Erlaubnis vom BfArM Cannabis beziehen, aber viele können sich das nicht leisten. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten der “medizinisch betreuten Selbsttherapie mit Cannabis” nicht. Und genau deshalb wollen die Patienten ihr Cannabis selbst anbauen, was bislang in der Bundesrepublik aber strafbar ist.

Deshalb ist das jüngste Urteil des Bundesverwaltungsgerichts so ein großer Schritt für die betroffenen Patienten. In dritter und letzter Instanz konnte der 52-jährige Patient endlich Erfolg verbuchen, aber er ist nicht der einzige, der davon langfristig profitieren wird. Cannabis hat vor allem bei Krebs- und Schmerzpatienten erwiesenermaßen viel lindernde Wirkung zeigen können. Obwohl über die Pflanze immer noch verhältnismäßig wenig bekannt ist, schwören viele Patienten auf ihre heilsame Wirkung.

Zu Einsatz kommt Cannabis bei Multipler Sklerose, Tourette, Krebs und anderen Formen von chronischen Krankheiten. Nebenwirkungen von schweren Chemotherapien – wie etwa Übelkeit, Schlaflosigkeit und Appetitlosigkeit – können mit Cannabis schonend behandelt werden. Die positiven Wirkweisen der Droge sind auch aus dem privaten Freizeitkonsum bekannt, allerdings in extremeren Formen und mit halluzinogenem Rausch.
Der Entschluss hat keine Auswirkung auf die Debatte um die Legalisierung oder Entkriminalisierung von Cannabis in Deutschland. Die Politik äußert sich ganz klar weiterhin mit einem Nein zu einer Legalisierung: medizinisches Cannabis sei eine ernst zu nehmende Sache, die die Toren zu Forschung öffne, aber eine Legalisierung steht auch jetzt nicht in Aussicht.