Ein Bericht von Anna Else Bärbel Goldbeck-Löwe

tafelfreuden in einer kirche, deren name an die passion christi erinnert – in berlin-kreuzberg. wer nach 11:30 h vorstellig zwecks allwöchentlich möglicher anmeldung und empfang einer ausgabelosnummer wird trotz vorheriger registrierung seiner bedürftigkeit per vorlage des sozialhilfebescheids und übergabe von einem euro anerkennungsgebühr wird von den ehrenamtlichen charity-bürokraten am „counter“ barsch pädagogisch ermahnt: sie kommen zu spät! – nach rund einer stunde warten in den kirchenbänken – erfrischt – please hold the line! – durch orgelspiel und anschließender kurzpredigt der diensthabenden pastorin der gemeinde erfolgt die aufrufung der losnummern – 130 losnummernchips gibt es im beutelchen am counter. nein, niemand darf einfach zu den tischen gehen, auf dem sich die nahrungsmittel befinden, die er selbst meint nötig zu haben. alle müssen sich genau nach der ordnung ihrer losnnummer penibel einreihen in die warteschlange. du möchtest kein brot, keine brötchen empfangen? schade! der nette bär von backwarenverteiler möchte alle horrenden massen an vielzuvielzuviel altbackenen backwaren ganz schnell loswerden, nächste woche wird es wieder vielzuvielzuviel davon geben …. am nächsten tisch darf gemüse empfangen werden. was möchten sie? kartoffeln? für sie als eine person stehen ihnen nicht mehr als drei zu! – zwiebeln? – o.k. zwei. – lauchzwiebeln? – gut, eine. – karotten? – o.k. zwei darf ich ihnen geben. – obsttisch: nehmse bitte soviele erdbeeren mit, wie sie tragen können, heute abend sind die verfault, das wäre doch schade drum …. undsoweiterundsofort …. – wieviel sparen eigentlich die supermärkte an kosten für lagerhaltung bzw. entsorgung von vergammelnden nahrungsmitteln, wenn sie die den tafeln spenden? und welch selbstgerechtigkeitsgefühl erwerben sich die charity-menschen bei der kirchentafel durch solch penible verwaltung der tafelbesucher?