Wertesysteme wechseln im Laufe der Geschichte immer wieder,  möglicherweise sind sie in einem Punkt, vielleicht sogar in mehreren Punkten austauschbar, eines aber bleibt: Diejenigen, denen es gelingt, zu den Machthabern zu gehören, berufen sich auf die jeweils geltenden Werte, die aber in der Realität ständig von der Machtelite missbraucht werden können. Als die Kirchenoberen bis hinauf zum Papst noch mit den weltlichen Machthabern verbandelt waren, berief man sich auf christliche Lehren, um Abweichler, Kritiker dieser Lehren, um Ketzer zu eliminieren; als der Faschismus der Ton angab, waren es die, die innerlich mit ihm nicht übereinstimmten, deren Leben gefährdet war. Vereinfacht gesagt, war es nach dem Ende des 3. Reiches der Gedanke der Demokratie, der zum herrschenden Ideologem aufstieg. Demokratie wurde im Laufe der Zeit nach 1945 immer mehr zur Potemkinschen Fassade, blieb aber als solche wirksam.

Ich will darauf hinaus, dass die Niederschlagung des Putsches in der Türkei als eine Art Sieg der Demokratie gepriesen wurde. Am Samstag, den 16. Juli 2016, war jedenfalls viel von Demokratie auf Deutschlandfunk die Rede, wobei Militärputsch und Demokratie als Gegensätze dargestellt wurden, so dass ich mich fragte, wo denn die Demokratie unter Erdogans Herrschaft zu finden sei?.

Googelt man nach der Begriffskombination Türkei und Demokratie findet man unter anderem ein Statement des türkischen Ministerpräsiddenten. Binali Yildirim nannte die Niederschlagung des Putsches einen „Feiertag der Demokratie“.

Die Herrschenden beziehungsweise die Marionetten der Herrschenden benutzen geltende Ideologeme als Totschlagargumente, selbst da, wo es wie im Falle Erdogans offensichtlich ist, dass seine Regierung nichts mit Demokratie zu tun hat. Ich stelle mir die Szene eines Filmes vor: Die Kamera fährt über ein zerstörtes Land, die Filmsequent wechselt von der Totale auf eine Naheinstellung und zeigt zwischen den Trümmern eine Blechfigur, die noch trommelt und dabei immer vor sich hersagt: „Demokratie! Demokratie!“

So reden Politiker. Sie sagen, Demokratie, obwohl augenscheinlich keine mehr zu erblicken ist.

Zitat von der website des rbb:

>Aufgerufen zu der Versammlung in Tiergarten hatte die Türkische Gemeinde Berlin. Deren Vorsitzender Bekir Yilmaz sagte der rbb-Abendschau: „Es geht um Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in der Türkei, nicht mehr und nicht weniger.“ Ahmet Külahci, Kolumnist der Zeitung „Hürriyet“ sagte: „Jeder Demokrat kann das nicht gut heißen, das eine demokratische gewählte Regierung durch einen Putsch beseitigt werden soll.“<<

Steffen Seibert, Regierungssprecher der BRD:

>>Die demokratische Ordnung in der muss respektiert werden. Alles muss getan werden, um Menschenleben zu schützen.<<

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Man hat doch immer wieder das Gefühl, die erzählen einem was vom Pferd.

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