Ein Beitrag von Siegfried Sander

Eine neue abstruse Wortfindung im modernen Kriegsvokabular.

Nachdem man dem Todesfahrer von Nizza, der der Polizei bislang nur als drogenabhängiger Kleinkrimineller bekannt war, keine direkten Kontakte zum IS nachweisen konnte, einigt man sich momentan darauf, dass er sich binnen 14 Tagen selbstradikalisiert hat. Er schaute im Internet Filme über schlimme Verkehrsunfälle an, googelte nach verdächtigen Begriffen und ließ sich einen Bart wachsen. Außerdem bestellte er den Mietwagen 10 Tage vor der Fahrt, was gegen einen Amoklauf spricht.

Stellt man sich die Cui-bono-Frage, wem bringt die Tat Nutzen, muss man sagen Allen, nur den armen unschuldigen Opfern nicht, zu denen ich auch die Überlebenden und die trauernden Angehörigen zähle.

Monsieur Hollande kann, wie gewohnt, von den massiven Problemen in eigenen Land ablenken, insbesondere den Problemen mit Migranten aus den ehemaligen Kolonien, aber auch mit der eigenen Jugend. Und er gibt sich die Legitimation, Menschen in Ländern wie Syrien zu bombadieren

Der IS, was und wer das auch immer ist, außer das mediale Nachfolgeschreckgespenst des Wortes Taliban, sagt sich vielleicht: Wir kennen den Blödmann zwar nicht, aber wenn wir damit bei unseren Gegnern Angst und Schrecken verbreiten können, machen wir den Mann nachträglich zu einem der unseren. WIE machen die das eigentlich? Gibt es so etwas wie eine internationale Pressestelle oder gar eine PR-Agentur?

Für die Medien ist eine schnelle Nachricht eine gute Nachricht. Recherchieren nach Wieso-Weshalb-Warum war gestern in der Sesamstraße. Eine falsche Nachricht legt den Grundstein für eine neue Nachricht und je spektakulärer desto höher die Quote.

Für den Attentäter selbst ist es akzeptabler, nebulös als Kämpfer für irgendeine höhere Sache zu sterben, als einfach Selbstmord zu begehen, weil er vielleicht nicht mehr weiter weiß. Von seinem Vater bekam er nur zu hören, dass er ein durchgeknallter, kranker Idiot sei, der nichts zustande bringt, außer ständig neue Frauen an zu schleppen.

Und für die meisten von uns Menschen ist es erst einmal unerträglich, mit dem Unfassbaren, dem Unbegreiflichen konfrontiert zu werden. Ein tiefes Erlebnis, eine unbeantwortete Frage nach dem WARUM, die unser Innerstes erschüttert, unsere Harmonie zum Bersten bringt. Da ist eine Lüge oft willkommener, als der beschwerliche Weg zur Antwort.