Essay

Konrad Paul Liessmann

Der Kurs europäischer Gesellschaften gleicht den früheren Entdeckungsreisen der Seefahrer. Landkarten, die Orientierung geben sollen, scheinen ihren Wert verloren zu haben.

Das Europäische Forum Alpbach widmet sich in diesem Jahr dem Thema „Neue Aufklärung“. Im Ankündigungstext konnte man dazu Folgendes lesen: „Die Denkwerkzeuge der Aufklärung, allen voran die Vernunft, reichen nicht mehr aus, um die Herausforderungen der Gegenwart zu meistern. Der Kurs europäischer Gesellschaften gleicht den Entdeckungsreisen der Seefahrer längst vergangener Tage. Landkarten, die Orientierung und Sicherheit geben sollen, scheinen ihren Wert verloren zu haben. Wir reisen ins Ungewisse und müssen in vielen Bereichen neue Wege und Routen erst erkunden.“ Was an diesem Befund verblüfft ist: weniger das Eingeständnis der Orientierungslosigkeit, sondern die These, dass die Denkwerkzeuge der Aufklärung, vor allem die Vernunft, nicht mehr ausreichen, um Auswege aus dieser Ungewissheit zu weisen. Man fragt sich unwillkürlich, welche sonstigen Werkzeuge zum Einsatz gebracht werden sollen – voraufklärerische oder postaufgeklärte? Und was hat man sich darunter vorzustellen? Emotionen, Affekte, Offenbarungen, Algorithmen? Wer über die Grenzen der Aufklärung nachdenkt, kommt nicht umhin, sich ihres Begriffes überhaupt einmal erst zu versichern.

Aufklärung – dieses schöne Wort entstammt, man glaubt es kaum, doch tatsächlich der Meteorologie. Wenn dunkle Wolken sich verziehen, der Himmel wieder klar wird, das Licht der Sonne die Gegenstände dieser Welt deutlich erkennen lässt, dann klärt sich etwas auf.

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