In letzter Zeit werde ich immer häufiger darauf angesprochen, ob ich mir nicht einen „lenkbaren Ehemann“ (Zitat) und ein paar süsse Kinder zulegen will?
Muss wohl an meinen Ü30 liegen.
Vielleicht will ich keine Verantwortung für die Knirpse übernehmen, vielleicht drücke ich mich davor. Vielleicht habe ich auch Angst davor, so zu werden wie die Eltern, die ich kenne. Dieses sich-einigeln, nur noch für die Familie da zu sein. Nach dem Motto: Was interessiert mich der Rest der Welt?
Mein Weg scheint ein anderer, voller Zuversicht sage ich das. Und trotzdem bewundere ich, als stolze Tante, alle Eltern, die sich der Verantwortung und Pflicht gegenüber ihren Kindern stellen.

Meine Kinder sind in Afrika. Auch für sie muss jemand Verantwortung übernehmen. Selbst wenn es nur Stunden, Tage, oder Wochen sind.

Wenn ich meine Neffen und Nichten umarme und sehe wie unbefangen und froh sie mich empfangen, muss ich auch immer an meine afrikanischen Kinder denken, die nicht das Glück haben in solch einem Umfeld aufzuwachsen. Manchmal habe ich sie im Arm und im nächsten Moment sehe ich ein dunkelhäutiges Kind in meinen Armen.
Der Zwiespalt zwischen Normalität und Wahnsinn macht es mir von Mal zu Mal schwerer mich wieder zu aklimatisieren, die Batterien in der Normalität für den Wahnsinn wieder aufzuladen.

Kraft schöpfen kann ich im Wahnsinn meist besser als „zuhause“.

All diese Probleme sind winzig, wenn man sich die Relationen um uns herum betrachtet und dennoch sind sie für uns die Welt.

Auf dem grossen universellen Zeitstrahl taucht der „moderne Mensch“ vor gerade mal einer Sekunde auf. Wir sind eine verfluchte Sekunde in dem grossen Spiel und sehen uns als Krone der Schöpfung an. Alles was wir neue Geschichte nennen, jedes je gesprochene Wort, jede begangene Tat verlieren sich in dieser unfassbaren Dimension.

Wie klein und unbedeutend wir doch sind und wie grossartig, einzigartig wir leuchten in der unendlichen Dunkelheit.