Der VW-Konzern hat bekannt gegeben, 30.000 Arbeitsplätze streichen zu wollen – mit 23.000 die Mehrzahl davon in Deutschland.
Bei der Vorstellung des „Zukunftspakts“ zeigten sich die Top-Manager gelöst, Betriebsratschef Bernd Osterloh wollte sogar wohl irgendwie witzig sein oder unterstreichen, was für ein hartes Arbeitstier er ist: Er habe in den vergangenen Wochen mehr Zeit mit Verhandlungspartnern verbracht „als mit meiner Frau“. Wir wissen natürlich nicht, ob seine Frau das nicht vielleicht sogar gut findet, aber das ist alles total uninteressant.

Weitaus interessanter ist der folgende Punkt: Für das Jahr 2015 kassierten die 12 VW-Vorstände laut Geschäftsbericht 35 Millionen Euro „erfolgsabhängige Vergütung“ – also Boni zusätzlich zum Grundgehalt. Für welchen Erfolg? Der Konzern hat 1,6 Mrd. Euro Miese gemacht wegen des Diesel-Skandals und er wird in den USA 15,2 Mrd. Euro Wiedergutmachung zahlen müssen (und kommt damit noch gut weg, denn die blöden deutschen Kunden bekommen nichts und müssen in die Röhre schauen, weil das Recht in den USA in diesen Fällen weitaus verbraucherfreundlicher ist als bei uns).
Den größten Bonus erhielt Ex-VW-Chef Martin Winterkorn mit 5,9 Millionen Euro. Der heutige VW-Chef Matthias Müller kassierte 3,6 Millionen extra, der Ex-Finanzchef und VW-Chefaufseher Hans Dieter Pötsch 4,2 Millionen Euro. Wohlgemerkt – „erfolgsabhängige Vergütungsbestandteile“.

Um die Öffentlichkeit zu beruhigen wurde bekannt gegeben, dass ein Drittel der Boni nicht ausgezahlt wird. Aber man glaube jetzt bloß nicht, dass die dann weg sind oder vielleicht – nur so ein Gedanke – den Tafeln oder wem auch immer gespendet werden. Pustekuchen. Man wollte nur ein wenig Ruhe haben. Denn die Auszahlung des (vorübergehend nicht-ausgezahlten) Drittels wurde nur in das Jahr 2019 verschoben. Und steht die VW-Aktie dann bei 140 Euro (aktuell 118 Euro), gibt es noch Zinsen obendrauf.

Ich glaube, sowas nennt man volkstümlich Verarschung.

Und wir wollen das hier natürlich nicht vergessen: Selbst die Arbeitnehmervertreter haben der Boni-Regelung zugestimmt.

Ich weiß auch nicht, aber warum kommt mir beim Schreiben ständig die aktuelle Kampagne in den Kopf, bei der die CSU behauptet, die Grünen sind ganz schlimm und der Untergang unseres Landes, weil sie die Sanktionen gegen „Hartz IV-Schmarotzer“ abschaffen wollen? Irgendeinen Zusammenhang muss es hier geben, es wird mir schon noch einfallen.

Bis dahin bleibt gesund und bewahrt euch den Abscheu vor solchen Dingen. Abscheu gegen raffgierige Manager-Söldner, die sich die Taschen vollstopfen, selbst wenn das Unternehmen in den Seilen hängt, aber auch gegen „Arbeitnehmervertreter“, die zuweilen offensichtlich die Perspektive zwischen oben und unten verloren (bekommen) haben.

Dieser Beitrag ist von Stefan Sell (facebook entnommen)

http://stefan-sell.blogspot.de/ (Stefan Sells Blog)

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