… die keine war oder Grußloses aneinander Vorübergehen.

Ich kenne Herrn X und seine Frau nur beiläufig. Begegnet sind wir uns vor fünf Jahren im Ständehaus zu Kassel anläßlich einer Vortragsreihe zur documenta 13. Herr X und seine Frau traf ich dann wieder bei einer Vorstandssitzung der Beckett-Gesellschaft. Er wollte, dass diese Gesellschaft ihm eine Ausstellung seiner Sammlung von Erstausgaben Becketts organisiere, wobei er die Arbeit, derer es bedurft hätte, den Beckett-Leuten überlassen wollte. Ein Ausstellungsort war bald gefunden, aber damit war X noch nicht zufrieden:  er wollte, dass die Gesellschaft ihm einen Katalog zu seiner Sammlung finanzierte. Da die Beckett-Gesellschaft aber nicht über dafür ausreichende Mittel verfügte, wollte er auch nicht seine Erstausgaben ausstellen.

Herr X kündigte dann erbost seine Mitgliedschaft im eingetragenen Beckett-Verein. Der monatliche Mitgliedsbeitrag von einem Euro war ihm dann doch zu viel. Später erhielt ich dann von ihm noch eine Mail – ich war damals Schatzmeister der Gesellschaft -, in der er mir mitteilte, er habe noch einige Bücher des verstorbenen Geschäftsführers der Beckett-Gesellschaft und wie er diese zurückgeben könne. Ich antwortete ihm, da ich mittlerweile behindert sei, könne er sie mir gern vorbeibringen.

Ich habe von ihm nie eine Antwort erhalten. Heute aber trafen wir fast aufeinander. Ich ging auf ihn zu, doch er erstarrte, sein Gesicht versteinerte, und er blickte angestrengt an mir vorbei. Seine Frau, die einen Schritt hinter und neben ihm ging, schaute mich fragend an, doch da Lots Frau schon im Spiele war, dachte ich mir alttestamentarisch „Auge um Auge“, grußloses AneinanderVorübergehen um grußloses AneinanderVorübergehen. Dabei war Beckett doch ein Menschenfreund.

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