Liebe Leserin, lieber Leser,

ich hielt mich bisher wirklich nicht für einen Linksradikalen. Aber die Selbstgerechtigkeit und Beschränktheit, mit der die Gewalt beim G20 Gipfel medial entsorgt wird, bringt mich noch auf die Barrikaden. Hamburg hat die tot geglaubte Figur des „Linksterroristen“ aus dem deutschen Herbst wieder auf den Plan gebracht und mit ihm die gesinnungsterroristische Frage nach einem Sympathisantentum samt einer Bild-Zeitung, die sich für die bessere Polizei hält, gleich mit.
„Der Linksterrorist konnte Hamburg in Schutt und Asche legen, so geht das neue Narrativ weiter, weil sich Politik und Öffentlichkeit viel zu sehr auf die rechte Gewalt konzentriert hätten. (…) Es ist verblüffend, mit welcher Geschwindigkeit sich diese neue Erzählung verbreitet und wie freudig sie aufgenommen wird“, schreibt Jakob Augstein in unserem Leitartikel.

Was kann man dieser Stimmung entgegensetzen? Seinen eigenen Emotionen misstrauen, sagt Robert Misik in seinem klugen Essay zu „Hamburg“, den Sie im Politikteil lesen können. Die wenig erbauliche Streetfighter-Romantik könnte für Misik einfach auch damit zusammenhängen, dass ein Jeremy Corbyn in Deutschland weit und breit nicht sichtbar ist (apropos: Hat jemand Schulz gesehen? Bitte melden…).

Quelle:

http://mailchi.mp/freitag/ausgabe-23-199685?e=a60bc04098

PS.: Wer ein  wenig über Kriminalgeschichte Bescheid weiß, weiß auch, dass es eine Entwicklung hinsichtlich der Ermittlung von Tätern gibt. Die Feststellung eines Täters anhand seiner Fingerabdrücke oder in neuerer Zeit anhand seiner DNA, sind die bekanntesten Beispiele. So wurde Amanda Knox, die wegen Mordes angeklagt war, schließlich vom obersten italienischen Gericht freigesprochen, weil in der Beweiskette an einer Stelle nicht eindeutig gesagt werden konnte, dass sie die Täterin war.

Eindeutigkeit gibt es hinsichtlich der maskierten Täter bei G20 in Hamburg nicht. Aber wen interessiert schon juristische Sauberkeit, korrekte Ermittlungsarbeit, wenn es einem politischen Kalkül dient. Gilt doch der Satz: Linksextreme Gewalttäter erkennt man daran, dass man sie infolge ihrer Maskierung nicht erkennen kann.

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