Die gezielte neoliberale Zerschlagung sozialer Bewegungen

Ein Essay von Tom Wellbrock

Die Linke, ob als Bewegung oder Partei, ist zerstritten. So ist es regelmäßig nachzulesen. Und ganz falsch ist das auch nicht. Trotzdem greift diese Kritik zu kurz, genau genommen ist sie nicht einmal das: Kritik. Denn viele, die diese These äußern, gehören zu denen, die exakt das wollen – dass linke Bewegungen sich (zer)streiten, Widerstand im Sande verläuft und so etwas wie ein kollektives Bewusstsein oder Handeln gar nicht erst entsteht.
Doch wer sind „die“?

Was haben Occupy, Montagsdemos, Proteste gegen G20-Gipfel oder die Bilderberger-Konferenz, die Friedensbewegung oder auch Gewerkschaften und sogar die SPD gemeinsam? Sie sind soziale Bewegungen bzw. waren solche, die der Neoliberalismus zerschlagen muss. Das tut er sehr gezielt, und im Spalten hat er es zur Meisterreife gebracht. Widerstand wird so zu einem Unterfangen, das kaum gelingen kann, weil der Neoliberalismus bis ins kleinste Detail durchorganisiert ist, was man von seinen Widersachern nicht behaupten kann. Der neoliberale Plan scheint also aufzugehen.

In einem außergewöhnlichen Vortrag zeigt uns Professor Rainer Mausfeld, wie das System funktioniert. Und die Formulierung „System“ ist nicht etwa pathetisch gewählt, sie drückt aus, dass es sich wahrhaftig um ein Prinzip handelt, das dafür sorgt, dass die, die den Klassenkampf führen, die Gewinner sind. Und die Verlierer die sind, die nicht einmal einen Kampf der Klassen wahrnehmen. Weil ihnen ausgeredet wird, dass es so etwas wie Klassen überhaupt gäbe. Doch es gibt sie, mehr denn je!

Byung-Chul Han hat in der Süddeutschen Zeitung einen interessanten Artikel geschrieben, der den Neoliberalismus gut beschreibt. Allerdings geht Byung-Chul Han davon aus, dass der Neoliberalismus nicht mehr repressiv agiert, so wie es der klassische Kapitalismus tat, als er Gewerkschaften unterdrückte und Arbeiter brutal ausbeutete. Vielmehr – so die These – arbeite der Neoliberalismus seduktiv, also auf Verführung beruhend. Das stimmt meiner Meinung nach jedoch nur bedingt. Zwar deutet vieles auf die Verführung hin, sei es durch Konsum oder die vermeintlich gemeinsamen Werte, die uns innerlich miteinander verbinden (sollen). Doch die Aggressivität ist subtil vorhanden – eben wenn es darum geht, solidarisches Denken zu unterbinden. Das geht zwar tatsächlich nicht etwa blutig vonstatten, aber die Mittel der Verführung kommen ebenfalls nicht zum Einsatz. Vielmehr findet die Spaltung gezielt und im Hintergrund statt, scheinbar – und das ist der Plan – spalten sich die betroffene Akteure sogar selbst.

Recht hat Byung-Chul Han mit seiner Einschätzung, dass Arbeiter oder Angestellte nicht mehr (oder immer weniger) solidarisch miteinander sind, denn im Neoliberalismus ist jeder sein eigener Arbeiter, sein eigener Chef, was ja durch die Formulierung, jeder sei seines Glückes Schmied, um Ausdruck kommt. Heute ist nahezu alles, was der Mensch tut, „Arbeit“. Man „arbeitet“ etwas aus, was ein „Arbeitspapier“ wird, das auf „Kopfarbeit“ beruht. Man „arbeitet“ an seinem Körper, an mentaler Stärke oder an der Beziehung. Immer wird „gearbeitet“, und die Tatsache, dass Depressionen und Burn out stetig zunehmen, hindert uns nicht daran, auch daran zu „arbeiten“, dass es so weit nicht kommt oder wie wir den „Arbeitsauftrag“ hinbekommen, so schnell wie möglich wieder zu funktionieren. Konzerne oder Unternehmen haben mit den Problemen, die wir herumschleppen, nichts mehr zu tun, im Gegenteil, sie werden zu einem Teil unserer „arbeitenden Familie“ und geben vor, uns aufzufangen (dazu weiten unten mehr).

Wollen wir doch einmal „verschwörungstheorisieren“

Ein schöner Einstieg: Verschwörungstheorien. An dieser Stelle soll aber nicht darüber sinniert, werden, ob es Verschwörungen gab und gibt, denn das ist unbestritten. Auch nicht darüber, wie dieses Wort spätestens seit 9/11 missbraucht wurde, um kritisches Hinterfragen im Keim zu ersticken. Denn beides ist richtig, führt aber in die falsche Richtung. Denn wer sich auf den Diskurs darüber einlässt, ob und wie und von wem und wann und wieso, weshalb, warum Verschwörungstheorien eingesetzt werden, hat bereits verloren. Für den Zusammenhang, um den es in diesem Text geht, reicht ein Zitat aus:

Quelle, und die Fortsetzung gibt es hier:

http://www.neulandrebellen.de/2017/07/widerstand-aber-wie-die-gezielte-neoliberale-zerschlagung-sozialer-bewegungen/#comments

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