Zugegeben, einen Journalisten als krankes Hirn zu bezeichnen, geht gar nicht, aber ich schrieb schon vor Jahren, es werde immer schwerer, die Contenance zu wahren. Zu sagen, jemand sei ein krankes Hirn, ist, wie die klügeren unter uns wissen, kein inhaltliches Argument, sondern es handelt sich um eine Etikettierung der üblen Art. Jedoch ist das, was Herr Gersemann so von sich gibt, nicht minder übel – und solche Leute treiben sogar mich, einen Verfechter der Deeskalation, in die Wutspirale. Troptard, von dem der folgende Beitrag ist, formuliert es treffender:

Schaum vorm Mund!

„Die Welt wirft Macron Kapitulation vor dem “gelben Mob” vor“

„Die Reaktion des französischen Präsidenten auf den gelben Mob muss in Berlin die Alarmglocken schrillen lassen: Emmanuel Macron ist nicht Partner bei der Euro- und Europa-Rettung. Sondern ein Risikofaktor“, kommentiert Olaf Gersemann in der Welt.

Der Leiter des Ressorts Wirtschaft, Finanzen, Immobilien kann seine Wut kaum zügeln. Anstatt „dafür zu sorgen, dass der Mindestlohn nur verhalten steigt oder am besten erst mal gar nicht“, strecke Emmanuel Macron die Waffen, empört er sich. Wochenlang hätten „die Gelbwesten in Frankreich gewütet“. Doch statt „der Maßlosigkeit entgegenzutreten“ und „in die Offensive zu gehen“, habe Macron die Chance ungenutzt verstreichen lassen und die Ausschreitungen ex post legitimiert, indem er „dem Kleinwagen anzündenden Mob entgegenkroch“.“

https://www.wsws.org/de/articles/2018/12/12/welt-d12.html

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Ich weiß nicht, ob man diese menschenfeindlichen Äußerungen von Herr Gersemann noch kommentieren muss: einen höheren Mindestlohn zu fordern, sei ein Ausbund von Maßlosigkeit. In Deutschland, so weiß jeder, der noch human denkt, dass eine spätere Rente auf der Basis eines gegenwärtigen Mindestlohns in die Obdachlosigkeit führt.