Übernahme von https://www.heise.de/tp/features/Festnahme-von-Julian-Assange-aufgrund-von-US-Auslieferungsantrag-4397666.html

Der Gründer der Enthüllungsplattform WikiLeaks, Julian Assange, ist in den Räumen der Botschaft von Ecuador in London von der britischen Polizei festgenommen worden. Die britischen Behörden teilten mit, sie hätten am Donnerstag die Erlaubnis bekommen, den Publizisten in der diplomatischen Vertretung festzunehmen. Zuvor hatte die Regierung von Präsident Lenín Moreno ihm das Asyl entzogen.

Assange, der die australische und ecuadorianische Staatsbürgerschaft besitzt, hielt sich seit dem Jahr 2012 in der Botschaft des südamerikanischen Landes in London auf. Die Vorgängerregierung unter Präsident Rafael Correa hatte ihm Asyl gewährt und damit vor einer Auslieferung nach Schweden geschützt. Das dortige Verfahren wegen Sexualdelikten ist inzwischen eingestellt.

Die britische Polizei hatte wiederholt angekündigt, den Publizisten wegen Verstößen gegen Kautionsauflagen festzunehmen, sollte er das geschützte Gebäude der Botschaft verlassen. Der Gründer von WikiLeaks äußerte seinerseits die Befürchtung, die britischen Behörden könnten ihn an die USA ausliefern. Dort hält die Staatsanwaltschaft einen lange geheim gehaltenen Haftbefehl aufrecht, weil die von Assange gegründete Enthüllungsplattform zahlreiche interne US-Regierungs- und Militärdokumente veröffentlicht und damit US-Kriegsverbrechen aufgedeckt hat.

Die Auslieferung heute provozierte umgehend Reaktionen auf internationaler Ebene. Die russische Regierung kritisierte die Festnahme des Publizisten scharf. „Die Hand der ‚Demokratie‘ erwürgt die Freiheit“, schrieb Maria Sacharowa, die Sprecherin des russischen Außenministeriums, am Donnerstag auf Facebook.

Wenige Tage zuvor hatte der Menschenrechtler der UNO, Nils Melzer, die ecuadorianische Regierung aufgefordert, Assange nicht aus der Botschaft in London zu verweisen. In diesem Fall sei es wahrscheinlich, dass er von den britischen Behörden festgenommen und an die USA ausgeliefert würde, prognostizierte der UNO-Sonderberichterstatter zum Thema Folter in Genf. WikiLeaks hatte zuvor gewarnt, dass Assange nach fast sieben Jahren in der ecuadorianischen Botschaft in London sein Asyl verlieren könne. Die Plattform berief sich auf „eine hochrangige Quelle innerhalb des ecuadorianischen Staates“.

Erste Reaktionen der unmittelbar Beteiligten weisen darauf hin, dass Ecuadors Regierung dem Druck aus London nachgegeben hat.