Ein Erfahrungsbericht von Simon Rosenthal

>Gestern war der letzte Tag des „Athens Democracy Forum“, mit einem letzten, verstörenden Höhepunkt: Eine Diskussion zwischen dem französischen Philosophen Bernhard-Henri Lévy und Stephen Bannon, dem ehemaligen Chefstrategen von Donald Trump und Gründer des rechten „Breitbart“- Nachrichtennetzwerkes- moderiert von Roger Cohen von der New York Times. Während Lévy für das liberale Europa steht und für das Zusammenwachsen der europäischen Nationalstaaten, wird Bannon nicht müde, die amerikanische Vision für Europas Zukunft zu propagieren- das „Europa der Nationen“ (was auch immer das genau bedeuten soll). Als Vertreter der „United States“ spricht er klar gegen ein ‚United States of Europe‘. Wie ein Methodistischer Prediger läuft er vor dem Publikum auf und ob, Berichtet von den „Oligarchs“, die ein Resultat der Globalisierung seien und die Welt kontrollieren, und dass man mit dem „starken Europa der Nationen“ gemeinsam gegen das gefährliche China stehen (und kämpfen) wolle, dass Amerika „kein Empire, sondern eine revolutionäre Kraft sei, die durch Trump ausgedrückt werde, der dem „working man“ seine Ehre und seinen gerechten Anteil am Reichtum wieder geben würde und der unbedingt die Mauer zu Mexiko bauen müsse… Lévy drückt hingegen sein Bedauern und seine Ablehnung gegenüber der heutigen Beziehungen zu den USA aus und konfrontiert Bannon mit den bekannten Vorwürfen des Rassismus, Faschismus und Chauvinismus und mit dem fast völligen Verlust der Glaubwürdigkeit der US-Politik (auch im Hinblick auf den aktuellen Überfall der Türkei auf Syrien). Bannon weicht aus, bezeichnet ihn als Verbreitet „alternativer Wahrheiten“, verweist auf irgendwelche Tweets von ihm und Trump und dass er das ja auch nicht so machen würde, Trump aber verstehen könne usw…. In der Reflexion auf diese Vorstellung meine ich verstanden zu haben, dass es absolut keinen Sinn macht, mit Populisten inhaltlich zu diskutieren, weil ihr Ziel nicht eine Synthese, ein Kompromiss bzw. eine gemeinsame Lösung ist, sondern eine völlige Vereinnahmung- ein „Ideology- Selling“. So schafft auch Bannon es- zwar nur für Momente- einen beträchtlichen Teil des Publikums mitzureißen- seine Qualität als Talkmaster-Prediger und seine spürbare Überzeugtheit und Charisma (die basalen Eigenheiten aller Demagogen), funktionieren selbst vor der versammelten, liberalen Intelligenz Europas. Mir wird wieder einmal bewusst, dass Demokratie nichts selbstverständliches ist, dass der Wunsch nach starker Führung nicht nur in naiven Menschen wohnt. Mir wird ebenfalls klar, dass Demokratie die direkte Auseinandersetzung mit Totalitaristen und Faschisten trotzdem braucht, um das eigene Selbst- und Menschenbild deutlich abgrenzen zu können. Europa wird- so scheint es- die starke Verbundenheit mit den USA so nicht fortführen können- denn eine stabile , politische Zusammenarbeit kann nicht über day-to-day politics, Tweets und Posts funktionieren, sondern nur über gemeinsame Grundsätze und das Einhalten von Vereinbarungen. Andernfalls bekommt diese Partnerschaft den gleichen Charakter, wie die einschlägig-unverbindlichen „Beziehungen“, die jeder von uns kennt, der in den „sozialen“ Netzwerken aktiv ist. „America First!“ ist das Gegenteil einer transatlantischen Partnerschaft, der ich angehören möchte. Es ist heute umso wichtiger, aus diesem Schatten herauszutreten und eine eigene Agenda, ein eigenes Selbstbewusstsein zu entwickeln, um in der Welt der Supermächte überhaupt noch eine Rolle zu spielen. Ich glaube nicht, dass wir das als ‚Europa der Nationen‘ schaffen können. Wir würden uns dadurch erneut in nationalen Fehden aufreiben und noch anfälliger für die Außenpolitik anderer ‚Player‘ werden.<<