Zum Vorwurf der Spaltung innerhalb linker Zusammenhänge.

von altautonomer

Linke Kritik an Querfrontlern, Montagsmahnwichteln, Verschwörungstheoretikern, linken Fussballpatrioten, Verfassungspatrioten (Thüringen), Standortnationalisten, Stellschrauben-Reformisten, gewerkschaftlich korrupten „Sozialpartnern“ und Leugnern des Klimawandels wird oft reflexartig mit dem Vorwurf des Spaltens der Linken begegnet. Parallel dazu gehört der Verweis auf die Stärke der Rechten durch ihre Geschlossenheit. Im rechten Spektrum ist es aber vielmehr das oberflächlich Verbindende der Gedanke vom reinen Volkskörper, das Völkische und national Identitäre. 

Differenzierte und analytische Bewertung gesellschaftlicher Machtverhältnisse ist nicht die Domäne der Anti-Spalter. Ist es nicht möglich, den „Spaltern“ inhaltlich zu widersprechen und Argumente, Fakten oder Informationsquelle entgegenzusetzen, werden sie pauschal ad personam diskreditiert. Zum Personenkreis der „schwer Erziehbaren“ und Geächteten gehören Antideutsche, Kommunisten, Marxisten, Anarchisten, Antifaschisten, Autonome, undogmatische außerparlamentarische Linke und frei vagabundierende Linksradikale. Dabei genügt es schon, sich mit nur einer bestimmten Meinung zu einem Missstand zu äußern, die sich im Katalog der Positionen der sich selbst als Antideutsche Definierenden wiederfindet, um in dieser Schublade zu landen. Anstelle einer inhaltlich weiterführenden Kontroverse tritt die an die Person gebundene ideologische Verunglimpfung, verbunden mit dem Spaltungsvorwurf. 

Ganz oben auf der Agenda der linksliberalen Spaltungsgegner stehen daher Themen wie Feminismus (Vorwurf: Frauenversteher – jemanden verstehen als Charakterschwäche)  und Vegetarismus. Als sogenannte Nebenwidersprüche lenken sie angeblich vom „großen Ganzen“ ab und stärken deshalb den Klassenfeind. Die Herrschenden profitieren mutmasslich von der fehlenden Geschlossenheit der Linken insgesamt. Insofern bedienen Spalter deren Interesse. Dabei führt uns der Kapitalismus tagtäglich die Vorteile der Spaltung vor. Er nennt es nur Arbeitsteilung.

Es ist meine feste Überzeugung, dass der einzige Weg der ist, bei seinen eigenen Interessen anzufangen und sich dann mit anderen zu organisieren – nicht zuallererst in strömungsübergreifenden Bündnissen, sondern dort wo einem der eigene Schuh drückt – und abseits zentralistischer Organisationen. Wir brauchen keine Blog-Kasper, Paternalisten und Abholer, die uns vormachen wie wir zu denken haben. So sind denn auch meine Gastbeiträge nichts anderes als Ausdruck meiner selbst und keine Anleitung zum Denken, wie sich viele andere Blogs verstehen.

Mich interessiert eine vereinte Linke herzlich wenig. Mich interessiert welche Ziele Menschen tatsächlich verfolgen. Und welche Folgen ihr Treiben in der Realität hat. Blogs die z. B. Sexismus beheimaten,  gehören in meinen Augen jedenfalls nicht zu einem linken Spektrum, dass ich tolerieren müsste. Wer hier anfängt zu tolerieren verrät in Wirklichkeit wesentliche linke Kritik!

Thomas Fischer, ehemaliger Richter am Bundesgerichtshof sagt in seiner aktuellen SPIEGEL-Kolumne unter anderem:

„“Faschismus“ nicht ist, wenn Kopftücher verboten oder „Linke“ verprügelt werden oder wenn man die falsche Sweatshirt-Marke trägt. Sondern ein politisches Programm zum Auslöschen aller „Spaltung“. 

„Wer immer von den Kanzeln des Wohlklangs dem Volke predigt von der Schrecklichkeit der Spaltungen und der Sehnsucht nach ihrer Überwindung im großen Ganzen, mag sich deshalb gelegentlich fragen (lassen), ob er am Ende das Geschäft des Teufels besser betreibt als dieser selbst. „