In einem Gespräch zwischen Royden Rabinowitsch und Jan Hoet wurde gesagt, dass die angemessene Wahrnehmung einer Skulptur zumindest das Um-Sie-Herum-Gehen erfordere. Wenn möglich, wäre zusätzlich noch die Frosch- und die Vogelperspektive zu empfehlen.Ich will hier aber nicht über Skulpturen sprechen, sondern über eine Bemerkung von Jens Spahn über die 53 Künstlerbeiträge, bei denen es sich um Kritik an den Corona-Maßnahmen handelt. Sie waren für mich ein Gesamtwerk, das aus verschiedenen Aspekten sich zusammensetzte. Jetzt kommt nun ein Minister daher und wirft einzelnen Statements Einseitigkeit vor. Kant soll gesagt haben, dass Einzelwahrnehmungen, die ja im Raum und in der Zeit nacheinander erfolgen, synthetisiert werden müssen, um ein „Ganzes“ zu ergeben. Den Schritt zur Synthese schafft Spahn nicht mehr, aber anstatt um das Kunstwerk herumzugehen, um die Einzeleindrücke dann zu verbinden, verharrt er auf einem point of view, und wirft Einzelbeiträgen vor, sie seien zu einseitig. Bin ich zu klein und hab dazu noch einen steifen Hals, kann es passieren, dass ich von einer Figur auf einem Sockel nur die Füße sehe, so dass ich ausrufe, wenn das ein Denker sein soll, dann hat der Künstler zu kurz gegriffen.