Notizen aus der Unterwelt.

Der kritische Blog von Klaus Baum – jetzt mobile-friendly

Hartz IV und die Bertelsmannstiftung — 22. Januar 2019

Hartz IV und die Bertelsmannstiftung

Advertisements
Sanktionen für wen? — 18. Januar 2019

Sanktionen für wen?

Freud unterschied zwischen Lust- und Realitätsprinzip. Dieses schien mir stets etwas mit Mühe, Anstrengung, Zügelung der Lust zu tun zu haben. Der Vergewaltiger ist mir bis heute der Inbegriff ungebremster Lustbefriedigung, er kann, vereinfacht gesprochen, nicht warten, bis er die Frau trifft, die Ja sagt, er ist auch nicht bereit, fürs Vögeln zu zahlen, er nimmt sich, wonach ihm der Schwanz steht, mit Gewalt. Liebe  zum Anderen, Achtung, Respekt, Schonung, Zärtlichkeit, ja, schon die Fähigkeit zu lieben, sind ihm fremd. Er akzeptiert keine Hindernisse, keine Werte. Und so ähnlich verhält es sich mit den Großkopfeten der Konzerne, der Banken, der schwarzen Rocker. Sie gehen über Leichen, vernichten die Natur um ihres Profites willen. Und sie werden unterstützt durch die Politik bei der Maximierung ihres Profits. Diese räumt den Mächtigen den Weg frei, eröffnet ihnen Horizonte. Politiker senken ihnen Steuern, befördern das Spekulieren mit sehr hohen Summen, versklaven die abhängig Beschäftigten und zwängen die nicht mehr Beschäftigten in eine gnadenlose Wohlfahrt, damit die Arbeit billig wird wie Fallobst an der Landstraße. Dem von Hartz IV Abhängigen wird alles zugemutet, und sagte er Nein, wird er sanktioniert.

Die Finanzstarken dürfen alles, sie dürfen sogar ihre Kunden im großen Maßstab betrügen: die Politik erzwingt vom Dieselfahrer, dass er sein Auto verschrottet anstatt den Konzern per Gesetz zu zwingen, dass er die Autos nachrüstet. In Deutschland gilt nocht immer: Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man nicht nur laufen, man unterstützt sie  noch großzügig. Aber wehe, der Hartz-IV-Empfänger versäumt einen Termin beim Amt.

PS.:

Der Trieb der rücksichtslosen Durchsetzung, und zwar auf Teufel komm raus, folgt in der Politik heute den globalen Machtverhältnissen und Drohgebärden des Kapitals, er folgt den Kräften, die Wolfgang Hildesheimer am Totensonntag 1986 in der Klosterkirche zu Osterfelden – eine Aufführung des Requiems von Mozart textlich begleitend – in unüberbietbarer Deutlichkeit und klarer Entschiedenheit so benannte:

>>Requiem eternam dona eis domine! Gib ihnen die ewige Ruhe Herr! Wem soll hier die ewige Ruhe gegeben werden? All den Verächtern menschlichen Maßes und menschlicher Würde, den Mördern unserer Erde, den Schreibtischtätern und ihren Handlangern, den Ausbeutern und Plünderern unseres Planeten? Laß dies kein Requiem für sie sein, Herr! Nicht für die skrupelosen Schänder, die Verseucher der Ebenen, Verplaner der Gebirge, Verunreiniger der Gewässer, Verpester der Sphären. Nicht für jene, die uns ewigen Verlierer manipulieren und berauben, nicht für diese Zyniker, die Nutzbarmacher und Rationalisierer, die – unter dem Deckmantel der Erschließung – unsere Welt mit Umsicht und System zunichte machen. Herr, kein Requiem für sie. Ihnen soll das ewige Licht nicht leuchten. Domine ne dona eis pacem! Herr, gib ihnen die ewige Ruhe nicht!<<

Gequirlte Scheisse — 16. Januar 2019

Gequirlte Scheisse

Ich habe soeben meine Contenance verloren, krieche unterm Schreibtisch herum, um sie wiederzufinden, doch bevor das geschieht, rasch ein Link zur FAZ.

Kommentar von Troptard:

>>„Hartz IV ist eine erstaunliche Erfolgsgeschichte“ (FAZ)

Dass das Informationsblatt für Unternehmer und Führungskräfte der Wirtschaft das so sieht, ist doch keine Überraschung. Nicht nur, weil diesen Hartzern alle Arbeitsbedingungen zugemutet werden dürfen, sondern auch deshalb, weil das auch ordentlich Druck auf die sog. Normalarbeit ausübt.

Was mir ziemlich negativ bei den Anhörungen zu den Sanktionen der Jobcenter vor dem BVG aufgefallen ist,
zumindest was da in der Taz zu lesen war, dass die Sanktionsgegner die Hartz IV-Empfänger häuig damit zu entschuldigen versuchen, dass sie psychische Probleme haben bzw. entwickelt haben, Schwierigkeiten sich angemessen in Verwaltungsorganen zu artikulieren. Hier wird meiner Meinung etwas befördert, was dem Thema gar nicht dienlich ist, sondern den Betroffenen eher schadet und auch ein entsprechendes Bewusstsein in der Bevölkerung schafft.

So lassen sich dann Begriffe wie die ‚Abgehängten‘ oder ‚Prekären‘ leicht mit persönlichen Mängeln gedanklich assoziieren, so auch mit persönlicher Unwilligkeit jede angebotene Arbeit widerstandslos zu akzeptieren.

Auch Präsident Macron beherrscht die Rhetorik der bürgerlichen Gesellschaft ganz ausgezeichnet, indem er die Gelbwesten umstandslos als rebellierende Arme, als Verlierer in der Gesellschaft bezeichnet, die erst einmal anfangen sollten sich selbst zu hinterfragen, warum sie eigentlich die Verlierer und arm sind, anstatt auf die Erfolgreichen zu schauen und die Gründe bei denen zu suchen.<<

Wenn es gelingt, Menschen zu versklaven, ist das für die Sklavenhalter natürlich ein Erfolg. „In der Hölle ist der Teufel eine positive Gestalt.“ (Lec)

Nichts Neues in Frankreich —

Nichts Neues in Frankreich

Dieser Tage war ich auf der Suche nach Essays von Benjamin Korn, Essays, die ich noch nicht kannte, die also nicht in seinem Büchlein über Kunst, Macht und Moral (suhrkamp Ffm. 1988) stehen. Ich stieß auf einen Artikel von ihm im Tagesspiegel über Sarkozy, der mir sagte, was die Politik vom Macron betrifft: „Das hatten wir doch schon alles.“ Ungeheures geschieht, und es ist immer wieder dasselbe: hier ein kleiner Ausschnitt:

„Sarkozys erste symbolträchtige Tat nach den Wahlen war, den Höchststeuersatz für die Bestverdienenden zu senken und die Erbschaftssteuer weitgehend abzuschaffen. Die Rechnung für die Staatskasse: 15 Milliarden Euro. Sarkozy ist der Präsident der Reichen.“

Hier geht es zum ganzen Artikel:

https://www.tagesspiegel.de/kultur/frankreich-nieder-mit-dem-praesidenten/1184062.html

 

Nahles: Grundgesetz ändern — 14. Januar 2019
Sanktionen – Hartz IV — 3. Januar 2019